Unter dem Namen „LASA !ndividual®“ gibt es den bekannten weißen Marmor nun auch in einer Produktlinie mit bisher für diesen Stein unüblichen Farben und Strukturen

Screenshot der Datenbank LASA !ndividual®.

Die Traditionsfirma mit Sitz unweit von Bozen nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung sehr innovativ

„LASA !ndividual®“ ist der Name einer Produktlinie, die die Firma Lasa Marmor mit Sitz in den italienischen Alpen vor 4 Jahren ins Leben gerufen hat. Produktlinie meint hier, dass es sich zwar um den bekannten Marmor handelt – berühmt wegen seiner speziellen Härte, Dauerhaftigkeit und dem besonderen Glanz -, dass diese neuen Steine aber außergewöhnliche Farben und Adern haben.

Inzwischen hat sich die neue Marke am Markt etabliert und es spricht sich herum, was sich hinter dem innovativen Konzept verbirgt: Im Kern geht es darum, mithilfe der Digitalisierung den Gegebenheiten der Natur mehr als bisher Rechnung zu tragen und zudem einen aktuellen Wunsch des Verbrauchers zu bedienen.

Mit Gegebenheiten der Natur ist gemeint, dass in einem Marmorsteinbruch die Lagen (Fachbegriff: Bänke) unterschiedlich sind; normalerweise muss deshalb viel Material aussortiert und als Ausschuss auf die Halden gekippt werden, damit man am Ende zahlreiche Platten mit einem möglichst einheitlichen Stein hat.

Mit dem neuen Wunsch der Kunden ist gemeint, dass nach Jahrzehnten, wo die Materialien möglichst einheitlich zu sein hatten, es nun auch eine Nachfrage nach Vielfalt innerhalb einer Sorte gibt.

!ndividual ist der Name, den Lasa seiner neuen Produktlinie gegeben hat. Das ist ein Wort, das in sehr vielen Sprachen verstanden wird. Das Ausrufezeichen am Anfang ist eine Idee von Produkt- und Marketingmanager Kurt Ratschiller, der das Konzept im Auftrag der Firmenleitung entwickelt hat: die neue Marke will einen Akzent setzen.

Er stellt im Gespräch aber klar: „Es gibt qualitativ keinen Unterschied zwischen !ndividual und den 9 bisher bekannten Sorten, sie haben dieselbe Dichte, dieselbe Kristallstruktur usw.“ Auch bei !ndividual handele sich um „echten Lasa“, stellt er klar.

Die Aussprache von !ndividual ist wie beim normalen Wort individual.

Screenshot der Datenbank LASA !ndividual®.

Innerhalb der neuen Produktlinie können die Unterschiede zwischen den Platten sehr groß sein, wie sich beim Blättern durch die !ndividual-Datenbank zeigt: es gibt solche mit richtig wilden Adern, solche mit Stichen in verschiedenen Farben und viele andere Varianten.

Auch sind die Platten nicht auf Standardgrößen von Länge mal Breite zurechtgeschnitten, sondern sind manchmal nur ein Streifen mit mittlerer Breite. Auch an schiefe Seiten muss man sich gewöhnen. Zudem ist die Zahl der Platten einer einzelnen Variante im Regelfall begrenzt.

Die !ndividual-Datenbank versteht sich also als Ort fürs Suchen und Finden: entweder kann der Nutzer sich beim Blättern einfach inspirieren lassen, oder Filter vorgeben und damit zielgerichtet seine Wunschplatte aus mittlerweile über 4300 Scans aufspüren.

Damit er die ausgewählten Stücke danach in seinem Vorhaben virtuell einbauen kann, ist ein Planungswerkzeug nachgelagert.

Das Ablichten der Platten geschieht bei Lasa mit einem Scan am Ende der Polierstraße.

Steinbrüche in anderen Ländern erstellen ebenfalls schon Fotos ihrer Platten – Lasa hat jedoch insofern eine Alleinstellung, als es seine !ndividual-Datenbank auf jene Chargen ausgerichtet hat, die normalerweise nicht für die Vermarktung geeignet wären.

Ohne die Digitalisierung würden sich solche Sorten kaum vermarkten lassen: von Platten, die nur Einzelstücke sind, kann man generell keine Muster verschicken – digital aber kann der Kunde sich alle anschauen.

Bergwanderungen bieten den besten Blick auf das Abbaugebiet des Lasa Marmors (rechts).

Damit wird auch mehr Nachhaltigkeit möglich: der Bodenschatz Naturstein wird möglichst vollständig verwertet, so wie es das Grundprinzip der Natur ist – nichts wird weggeworfen.

Wer sind die Nutzer der Datenbank?

„Anfangs waren es vor allem Steinmetze und Händler, die für spezielle Aufträge ihrer Kunden kleine Mengen suchten“, sagt Ratschiller.

Inzwischen aber würden auch Architekten mit größeren Projekten Interesse zeigen.

Und die Preise von LASA !ndividual? Müssen die Platten nicht kostengünstiger sein als die Standardsorten?

„Klar“, gibt Ratschiller unumwunden zu, „wir sparen uns ja die Selektion und haben keinen Verschnitt.“

Kurt Ratschiller.

Zum Schluss noch ein Wort zur Digitalisierung: Ratschiller hat vor seiner Zeit bei Lasa in der Obstwirtschaft gearbeitet, die in der Umgebung des Laaser Tals ein wichtiger Wirtschaftszweig ist. Dort ist es Standard, dass in der Sortiermaschine zum Beispiel von jedem Apfel in Bruchteilen von Sekunden etliche Fotos gemacht werden, mit denen die Frucht anschließend automatisch nach Farbe, Form und Defekten sortiert wird. Diesen Denkansatz brachte er vor 4 Jahren zu Lasa mit.

An dieser Stelle wird auch erkennbar, welche Bedeutung in dem Konzept die Software die Datenbank als Werkzeug des Sortierens hat.

Kurt Ratschiller zieht eine Bilanz: „Nach 4 Jahren steht LASA !ndividual aktuell bei knapp 10% unseres Gesamtumsatzes und macht knapp 75% unseres Rohplattengeschäfts aus“, resümiert er mit Stolz. Generell sieht er in der Natursteinbranche „noch sehr großen Nachholbedarf in Punkto Digitalisierung.“

Datenbank LASA !ndividual®

Planungstool

Fotos: Lasa

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(08.08.2022)