Bei den Trockenmauern von Teruki Kamiya geht um die Kräfte der Natur und um Schönheit in Stein

„Virtual Bench“ von Teruki Kamiya.

Der japanische Künstler ist als Spezialist für solche Gestaltungen international bekannt

„Virtual Bench“ (Virtuelle Sitzbank) hat Teruki Kamiya die Grotte auf dem Bild oben genannt. Der japanische Künstler ist ein Spezialist für Trockenmauern, und dieses Werk hat er für einen Arzt angefertigt. In langen Gesprächen fanden beide das Thema und die Gestaltung: „Die Bank ist der Kunde selbst“, schreibt uns Teruki per Mail.

Gemeint ist damit, dass sie die Kräfte der Natur fokussiert und diese so auf denjenigen wirken lässt, der sich im Zentrum befindet. So arbeite auch ein Mediziner, formuliert es Teruki.

Trockenmauern sind Schichtungen aus Steinen, die ganz ohne Mörtel errichtet wurden. Das Können der Steinsetzer besteht darin, die einzelnen Elemente möglichst perfekt ineinander greifen zu lassen. Diese Handwerkstradition gibt es weltweit, man kennt sie unter anderem von Stützmauern an Weinbergen. Das Einsammeln der Steine für die Mauer diente früher auch dazu, ein Feld zu säubern und so mehr Bewirtschaftung zu ermöglichen.

Teruki lebt in Ishida, Kurobe in der Präfektur Toyama und so gehört auch die fernöstliche Meditation zu seinem Denken. Die Virtuelle Bank lädt geradezu dazu ein: die Sitzfläche ist ein gewaltiger Monolith, den er in einem Steinbruch gefunden hat, die Grotte ist aus „von der Farbe und Form unauffälligeren Steinen gemauert“, wie er schreibt: das Ensemble soll gerade nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen, sondern ihm die Konzentration für die Meditation leicht machen.

„Virtual Bench“ mit Teruki Kamiya.

Gerne meditiert er dort, wo er gerade eine Arbeit fertiggestellt hat: „Dann spüre ich die Kraft des Steins; so kommt mein Herz zur Ruhe und ich spüre die Vorfreude auf den nächsten Job.“

Im Regelfall beginnt ein Job mit Gesprächen mit dem Kunden. Am Ende hat er einen Plan im Kopf – eine Zeichnung für die Ausführung erstellt er jedoch nicht.

Natürlich gehört dazu, den Steinen die perfekte Form für ihren jeweiligen Platz in der Mauer zu geben. „Ich arbeite nur mit Hammer und Meißel“, schreibt er und es klingt so, als wäre es ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit.

Während man bei vielen seiner Projekte den Eindruck hat, dass sie in sich ruhen (dies auch angesichts des schieren Gewichts einer Trockenmauer, das man buchstäblich mit den Augen sehen kann), gibt es andere Arbeiten, die die Gesetze der Schwerkraft scheinbar überwunden haben.

„Moongate“ von Teruki Kamiya.„Moongate“ von Teruki Kamiya.„Moongate“ von Teruki Kamiya.

„Moongate“ (Mondtor), zum Beispiel. Es hat 2 äußere Reihen aus britischem Cotswolds Stone und dazwischen kleine Brocken aus Material aus Japan. Hier ist besonderes Know-how und besondere Sorgfalt gefragt, sonst zerstört das Gewicht des Bogens die Konstruktion.

Sind Trockenmauern vielleicht eine Form des erbebensicheren Bauens, kam uns als Frage da in den Sinn.

Teruki Kamiya gibt sich bescheiden und will nicht propagieren, dass er hier die Beste aller Bauweisen gefunden hat. So eine Mauer halte ein Beben bis Stärke 6 aus (bei Stärke 7 stürzen die Häuser in sich zusammen), das sei belegt, schreibt er. Allerdings habe ein Bogen wie der Moongate solch einem Ereignis nichts entgegenzusetzen.

Er hebt stattdessen einen anderen Aspekt hervor: die Konstruktion breche zwar zusammen, aber das Baumaterial werde nicht zerstört. Man kann es später wieder verwenden. Insofern ist Recycling ein Kerngedanke des Trockenmauerns.

Solche Fragen scheinen für Teruki Kamiya aber nicht im Mittelpunkt seiner Arbeit zu stehen. Im Kern geht es ihm darum, „etwas Schönes zu schaffen, an dem der Kunde Freude hat und mit dem er glücklich ist“.

Spätestens an dieser Stelle sind wir bei der Tradition der japanischen Gärten angekommen. Terukis Firma hat auch solche Dienstleistungen im Angebot. „Alles in einem japanischen Garten hat eine Bedeutung, auch die Platzierung eines einzelnen Steins“, formuliert er.

Sagen wir es so: über Schönheit mag man streiten, aber hier geht es um Harmonie, und um Harmonie nicht nur im visuellen Sinn, sondern auch um Harmonie im Verhältnis des Menschen zur Natur.

Arbeit von Teruki Kamiya.

Sie zeigt sich auch darin, dass um Beispiel eine banale Mauerlinie so daherkommen darf, als wäre sie stolz auf sich selbst.

Arbeit von Teruki Kamiya.
Aber: werden nicht die obersten, senkrecht gestellten Steine solcher Trockenmauern immer wieder geklaut?

Das sei in Japan kein Problem, schreibt er: Glücklicherweise sei das Land sicher und hätten die Leute einen ernsthaften Charakter; drücken wir seine Aussage mit unseren Worten aus. „Meine Arbeiten wurden noch nie beschädigt.“

Aber, noch eine Frage: Trockenmauern ist Knochenarbeit, richtig? Auch das scheint für Teruki Kamiya kein Thema zu sein. Auf Facebook zeigen Fotos, dass man Trockenmauern auch im Regen erstellen kann, wie er betont.

Auch wenn auf den Bildern die Ausführenden arg verdreckt mit Schlamm und Match an den Händen gezeigt werden – „es macht Freude und Spaß, mit Freunden auch unter rauen Bedingungen zu arbeiten“, merkt er an.

Die Auseinandersetzung mit der Natur ist ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Arbeit.

Teruki KAMIYA

Firma Kamiya Zoen

Arbeiten im Regen.Arbeiten im Regen.Arbeit von Teruki Kamiya.

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(21.10.2022)