Kath-Khuni-Bauweise: Trockenmauern mit Holzbalken und Steindach halten den Erdbeben im Himalaya stand

Ein typisches Haus in Kath-Khuni-Bauweise im nördlichen Indien.

Im Norden Indiens gibt es noch die Häuser, die die Einheimischen aus den Materialien vor Ort errichteten

Eine besondere Art von Trockenmauern gibt es im Norden Indien in den Ausläufern des Himalaya: Kath-Khuni heißt die Bauweise, und sie wird als erdbebensicher beschrieben. Es handelt sich, wie zu erwarten, um Mauern ganz ohne Mörtel, in die jedoch in einem regelmäßigen Muster Einheiten mit langen Holzbalken eingefügt sind. Das Das ist mit Schieferplatten gedeckt. Die Bauweise findet sich noch in einigen Dörfern, verschiedene Initiativen wollen das Know-how erhalten.

Der Name lässt ahnen, um was es geht: das Wort kath heißt „Holz“ und khuni bedeutet „Ecke“.

Bei der Bauweise bestehen die Mauern aus abwechselnden Lagen von Stein mit solchen, bei denen der Stein innerhalb von langen Holzbalken verteilt ist. In den Ecken treffen die Holzbalken aufeinander – einmal aus der einen Richtung, dann aus der anderen Richtung kommend.

Prinzip der Kath-Khuni-Bauweise.

Mit Holznägeln oder Stiften sind sie jeweils mit der Lage untendrunter verbunden. Zusätzlich werden die die Balkenpaare von hölzernen Verbindungen zusammengehalten, zum Beispiel so genannten Schwalbenschwanzankern.

Die Mauerlagen haben manchmal Außenseiten aus exakt zubehauenen Quadersteinen und kleineren Steinen dazwischen.

Die große thermische Masse dieser Mauern mit etwa 60 cm Dicke soll für stabile Temperaturen im Inneren sorgen, wie es in den Beschreibungen heißt.

Vermutlich aber braucht es auch einen Putz, um die Windzirkulation im Rahmen zu halten. An den meisten Gebäuden findet man Wände mit Lehm, was allerdings das Muster der Holz-Stein-Schichtung verbirgt.

Prinzip der Kath-Khuni-Bauweise.Prinzip der Kath-Khuni-Bauweise.

Einheimische führen in Videos aus, dass auch ohne solchen Außenputz ein Kath-Khuni-Haus über das ganze Jahr angenehme Temperaturen habe. Früher jedenfalls gab es in der untersten Etage die Ställe für die Tiere. Von deren Wärme profitierten die Menschen im Obergeschoss, wie man es auch von Bauernhäusern woanders kennt.

Typisch für die Kath-Khuni-Bauweise sind deshalb auskragende Etagen auf den oberen Ebenen. Sie schaffen nicht nur mehr Wohnraum, sondern bringen auch mehr Licht in die Räume.

Denn die Stockwerke unten haben nur kleine und niedrige Fenster und Türen. Dafür gibt es auch eine religiöse Erklärung: die Menschen sollten sich beim Betreten eines Hauses vor den dort lebenden Geistern verneigen, heißt es.

Zahlreiche Berichte gibt es, dass solche Gebäude die in der Gegend häufigen Erdbeben überstanden haben, während drumherum moderne Gebäude zusammenbrachen. Exakte Analysen, worauf diese seismische Stabilität beruht, haben wir jedoch keine gefunden.

Zweifellos ist Kath-Khuni ein Beispiel für eine Architektur, die an die Gegebenheiten in der Gebirgsregion angepasst ist: verwendet werden nur Materialien, die es vor Ort gibt, und zum Einsatz kommen nur Bauteile, die man ohne Maschinen bewegen kann.

Prinzip der Kath-Khuni-Bauweise.Prinzip der Kath-Khuni-Bauweise.

Die Bewohner bauten ihre Häuser ehemals selbst, heißt es in den Quellen. Heutzutage gebe es jedoch einige Hindernisse dafür: so gelte das Bauen mit Beton als billiger und besser, und zudem hätten Schutzmaßnahmen der Regierung für die heimische Himalaya-Zeder (Cedrus Deodora) den Zugriff der Menschen auf die Baumbestände reduziert.

Nicht nur Bauernhäuser in Kath-Khuni-Bauweise findet man in der Region Himachal Pradesh. Auch große Tempelanlagen sogar mit Türmen sind so errichtet. Hier sind die Steine für die Außenmauern oft exakt behauen und die Holzbalken oft mit künstlerischen Mustern verziert. Mitunter reichen die Balken auch über die Ecken hinaus, sind als Kästen gestaltet und reich dekoriert.

In einem BBC-Beitrag wird das Architekturbüro North in Naggar genannt, das sich für den Erhalt der alten Bautradition stark macht.

Sahapedia

BBC

North

Broschüre „Prathaa: Kath-khuni Architecture of Himachal Pradesh

Fotos: Sahapedia

(23.10.2022)