Ziel der Designer von Various Associates war, den Sport und seine Accessoires wegzubringen vom Image der Straßenkultur
Nun hat auch China einen Skatepark aus Marmor, und es wurde auch höchste Zeit. Denn wir hatten bereits 2013 von einer solchen Installation im italienischen Ort Pietrasanta und zuvor schon von Versuchen mit Granit aus einer spanischen Steinmetzschule berichtet. Und: In Norwegen hatte 2021 der Getränkehersteller Red Bull im Steinbruch der Firma Lundhs die jugendlichen Sportler mit ihren Brettern an den steilen Wänden aus Larvikit-Granit tanzen lassen.
Die neue Einrichtung in Shanghai, 2021 fertiggestellt, ist aber eine andere Klasse als alles, was man bisher kennt. Sie befindet sich auf dem Obergeschoss des Einkaufs- und Freizeitzentrums Taikoo Li on the Foreshore in Shanghai und hat den Anspruch, dem Sport ein neues Image zu geben, wie es die Designer von Various Associates formulieren: „Das Designteam wollte mit dem Stereotyp aufräumen, dass Street gleichbedeutend mit billig ist, und schuf den Skatepark komplett aus Marmor als Symbol und Signal, um die traditionellen Grenzen zwischen Street- und Mainstream-Kultur zu verwischen.“
Der Auftraggeber Avenue & Son stellt Boards der Spitzenklasse und die dazugehörige Mode her beziehungsweise vertreibt andere Markenprodukte aus dem Jugendsegment. Zweifellos verschafft der bräunliche Bodenbelag mit seiner wolkigen Struktur den Brettern und dem Drumherum eine Atmosphäre von Eleganz und Noblesse.
In dieser Erlebniswelt auf dem Obergeschoss des Konsumzentrums finden sich zumindest die Formen jener Welt wieder, in der sich der Sport üblicherweise abspielt: Innerhalb des Verkaufspavillons sind Rampen und Stufen geschaffen, dies mit metallenen Handläufen, so als sollten dort die Skater ihr Können zeigen. Man kann sich drinnen fühlen als wäre man draußen, da die Außenwände aus Glas sind – Offenheit, auch im übertragenen Sinne, ist das Image, das sich die Branche gibt.
Und interessant zu sehen: Dem Cool-Sein als zentralem Anliegen der Jugendkultur scheint der Marmor nicht entgegenzustehen.
Draußen gehen die Rampen weiter. Dort dienen sie wirklich zum Skaten. Der Sport ist übrigens seit 2020 olympische Disziplin.
Wir haben bei den Designern nachgefragt, wie der Stein die Belastung durch die Bretter aushält, aber bis Redaktionsschluss keine Antwort bekommen.
Wahrscheinlich ist der Flagship-Store nicht als Skatepark für jedermann gedacht, sondern eher für Events.
Wahrscheinlich auch hat man die Oberflächen mit Chemie gefestigt; auf dem Screenshot aus einem Video von woanders, das die Kooperation von Avenue & Son mit der Sportmarke Adidas ankündigt, sieht man eine Person, die die üblichen schwarzen Skatespuren von Granit-Steinkanten abzukratzen versucht.
Die Erfahrungen von woanders lehren, dass, zumindest bei Granit, nur selten die Kanten des Steins wegbrechen. Jedoch werden sie im Lauf der Zeit rund und nehmen ein schmutziges Schwarz an.
Avenue & Son: Video
Fotos: SFAP
(07.10.2024)













