Trotz einer weltweit schwächelnden Bauwirtschaft hat Brasilien im Jahr 2024 eine Steigerung bei den Exporten um +12,7 % gegenüber dem Vorjahr erreicht. Die Gesamtsumme betrug 1,263 Milliarden US-$. Die Zahlen hat der landesweite Verband Centrorochas (Centro Brasileiro dos Exportadores de Rochas Ornamentais) veröffentlicht.
Angesprochen wird in der Pressemitteilung, dass es in den Jahren zuvor ebenso deutliche Rückgänge gegeben hatte: 2022 (-3.4 %) and 2023 (-13.3 %). Folglich konnte der Allzeit-Rekord von 2021 mit einer Gesamtsumme von 1,34 Milliarden US-$ nicht wieder erreicht werden. Jedoch war damals die Situation auch besonders gewesen: Nach dem Ende der Covid-Pandemie waren die Natursteinlager überall in den Verbraucherländern leer und wurden aufgefüllt. Das war diesmal nicht der Fall.
Wir erinnern uns: Während der Pandemie hatten die Konsumenten das Geld, das sie normalerweise für Freizeit, Reisen oder Moden ausgegeben, in die Aufwertung ihrer Wohnungen und Gärten gesteckt. Bemerkenswert daran war, dass in dieser Phase der Unsicherheit das Geld nicht gespart wurde, sondern dass die wohlhabenden Bürger sich für Investitionen in die sichere Geldanlage Naturstein entschieden.
Brasiliens Steinbranche hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen in Sachen Marketing übernommen. So hat es für seine Steine die Marke „It’s Natural“ entwickelt, in deren Rahmen die große und bunte Vielfalt der exotischen Granite und Quarzite herausgestellt wird.
Auch gehen die Bemühungen weiter, von der Monokultur im Export wegzukommen: In den letzten Jahrzehnten war man auf wenige Großabnehmer festgelegt, nämlich die USA im Hinblick auf Arbeitsplatten sowie China und Italien bei Rohblöcken. Derzeit kann man Centrorochas-Geschäftsführer Fabio Cruz auf Messen rund um den Globus erleben, wie er Vorträge über die Schönheit und die Nachhaltigkeit der brasilianischen Steine hält.
Als neue Zielländer hat man Australien, Indien und Polen in den Blick genommen. Die jüngste Initiative ist eine Partnerschaft mit Vietnam.
Im Rahmen der Marmomac 2024 gab es eine besondere Aktion: Eine Gruppe von jungen Leuten aus der Branche besuchte Verona und auch gleich noch den Papst in Rom. Auf dem Fuori Salone parallel zur Möbelmesse in Mailand sind die Brasilianer schon Stammgäste mit künstlerischen Präsentationen ihrer Steine.
Finanziell gelingt das nur, weil die Exportorganisation Apex reichlich Geld auf den Tisch legt – in anderen Ländern, vor allem Italien und der Türkei, ist das genauso. Der Iran hat spezielle Aktivitäten in den Social Media.
Problemfall Exportförderung
Wir merken an: Solche Förderprogramme sind sinnvoll, um eine Branche zum Exportieren zu befähigen. Auf lange Sicht aber ist es kontraproduktiv, wie man am Beispiel der genannten drei Länder sieht: auf deren Gemeinschaftsständen findet man jedes Jahr dieselben Firmen.
Letztendlich führt solcherart Förderung nur dazu, dass die Nutznießer sich in die Hängematte legen und auf dem Niveau von Händlern für Rohmaterialien verbleiben. Das aber ist das Niveau von Entwicklungsländern.
Wie Brasilien Wachstum erreichen will, nennt Centrorochas-Präsident Tales Machado in der Pressemitteilung: „Wir werden uns weiterhin auf Innovation und Nachhaltigkeit konzentrieren, um diese Wachstumsdynamik beizubehalten.“
Mit Innovation sind vor allem neue – spektakuläre – Steinsorten gemeint. Das Land verfügt inzwischen über detaillierte geologische Bestandsaufnahmen, was dort noch unter der Erdoberfläche schlummert. 2024 gab es auch mal wieder eine technische Innovation, nämlich das Transportsystem „Stonelift“ mit offenen Transportboxen.
Centrochas (portugiesisch)



