Margraf und Hannes Peer: „Crash“.Margraf und Hannes Peer: „Crash“.

Margraf verfolgte mit seiner Installation „Crash“ ein neues Konzept: Im Vordergrund wurde nicht die Schönheit und Vielfalt der Steinsorten und auch nicht das Können der Firma in der Bearbeitung des Materials gezeigt, sondern eine künstlerische Verfremdung der Steine. Solche eine Kunst für die Zwecke des Marketings ist üblich bei den großen Marken vieler Branchen, die einfach nur auf Attraktionen aus sind, um den Konsumenten ihren Markennamen einzuhämmern.

Noch im Jahr 2024 hatte Margraf der Messe Salone del Mobile mit dem Designer Raffaello Galiotto und dem Projekt „Frammenti“ den klassischen Weg der Selbstdarstellung verfolgt: Galiotto hatte dem Marmor fließende Formen gegeben, indem er antike Säulen oder Kapitelle schuf, die irgendwie ihre Festigkeit verloren hatten. Das war als Spaß und Witz gemeint, um zu zeigen, was bei entsprechendem Know-how mit modernen Werkzeugen aus dem altbekannten Material zu machen ist.

Margraf und Hannes Peer: „Crash“.Margraf und Hannes Peer: „Crash“.

Diesmal hatte Margraf den italienischen Architekten Hannes Peer eingeladen, und der zeigte auf dem Fuorisalone in der Innenstadt die Verwandlung des Materials durch Zerstörung.

Im Mittelpunkt stand so etwas wie die Plattentektonik, die auf Kräfte im Erdinneren zurückgeht und die sich in Erdbeben oder in der Auffaltung der Gebirge zeigt: Peer hatte Teile einer mannshohen Mamorplatte zerschlagen und die Einzelteile als Materialwellen wieder zusammengesetzt.

Das war handwerklich nicht wirklich gut gemacht, denn die Fugen zwischen den Bruchstücken waren deutlich zu sehen.

Margraf und Hannes Peer: „Crash“.

In einem anderen Raum gab es meterhohe Platten, wie man sie von Verkleidungen für Wände oder Fassaden kennt; hier hatten die Stücke sich scheinbar oben oder unten von der Wand gelöst und sollten wohl drohen, auf den Besucher zu rutschen oder zu fallen.

Im Eingangsbereich war ein unterirdischer Steinbruch einer Höhe nachgebildet: Der Marmor „nimmt sein Schicksal als ,vertikale Platte‘ nicht mehr hin, sondern gleitet unter dem Gewicht seiner eigenen Masse zu Boden und verliert auf einmal seine natürliche Logik“, lautete die Beschreibung in den Presseunterlagen.

Dabei sollte wohl nicht der Untergang der Berge inszeniert werden. Vielmehr wollten Designer und Firma die altbekannte „stoische Solidität“ (Zitat) der Natursteine in Frage stellen: Das Auffalten oder Sich-Biegen zeige den Stein als „ein autonomes, lebendiges Wesen, das sich von starren historischen Erwartungen löst. Er widersetzt sich solchen Zwängen, biegt und verzieht sich, um seiner traditionellen Funktion zu entkommen, als würde er aus einer langen Zeit der Unterwerfung erwachen“, war zu lesen.

Waren wir in einen Trickfilm aus Hollywood geraten? War das als Spaß gemeint?

Margraf und Hannes Peer: „Crash“.

Ob das eine gute Strategie fürs Branding ist, scheint uns fraglich. Wir hatten im Jahr 2021 von Aktivisten in den Bergen um Carrara berichtet, die eine „Befreiung der Berge vom ,Joch der Steinbrüche“ fordern (siehe Link unten).

Fraglich ist auch, ob solche und ähnliche Kunst-Inszenierungen sich wirklich in Marketing-Nutzen auszahlen. Vor einigen Jahren war die via Tortona anlässlich des Fuorisalone von großen Modemarken oder Autofirmen erobert worden, die dort künstlerische Installationen zeigten. Das hat sich inzwischen alles in Luft aufgelöst.

Aber leider ist von dem ursprünglichen Fuorisalone dort auch nichts mehr übrig, wo sich ehemals auf Industrieterrain der Designernachwuchs auslebte.

Margraf

Hannes Peer

Fotos: Margraf / Peter Becker