Die Strandpromenade von Fortaleza. Foto: Google Images

Von Carlos Rubens Alancar*

Im Bauwesen in den brasilianischen Städten gibt es ein Paradoxon: Einerseits werden die heimischen Steine in großer Menge exportiert, andererseits werden große Mengen an modernen Materialien für die Fassaden importiert. Unter Klimagesichtspunkten kann man das auf einen einfachen Satz bringen: Brasilien kauft klimaschädliche Stoffe woanders ein, und verkauft gleichzeitig seine eigenen klimafreundlichen Stoffe woandershin.

Das Thema hat auch einen Design-Aspekt: Die Gesichter von Brasiliens Großstädten unterscheiden sich nicht mehr von anderen Orten weltweit – wenn in der Architektur nicht heimische Materialien verwendet werden, verlieren die Bauwerke einen Teil ihrer Identität.

Das gilt unter anderem für Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará im Norden des Landes mit etwa 2,5 Millionen Einwohnern. Es liegt nur gut 400 km vom Äquator entfernt – die natürlichen Bedingungen sind hier extrem, weshalb sich die Dinge besonders deutlich zeigen.

Fortaleza: Gebäude bei dem die Keramikfliesen herunterfallen. Foto: Google Images

Aktuell ist in Fortaleza folgende Tendenz zu beobachten: In den zentralen Stadtteilen Aldeota, Meireles und an der Atlantikküste Beira-Mar fallen die Keramikfliesen an den Fassaden herunter – die ungeheure Kraft der Sonne hat den Fliesenkleber und den Zement über die Jahre zerstört. Eine Rolle spielt auch die Nähe zum Meer mit dem hohen Salzgehalt in der Luft.

Aktuell wird für neue Fassaden von privaten und kommerziellen Gebäuden in großer Menge ACM verwendet. Das ist ein Komposit aus zwei dünnen Schichten Aluminium mit einer Kunststoffschicht dazwischen. Das Material wird teilweise aus Fabriken in 18.000 km Entfernung angeliefert.

Das Material hat einen metallischen Look und ist im Vergleich zu üblichem Aluminium viel billiger.

Sein CO2-Fußabdruck ist jedoch katastrophal schlecht.

Fortaleza: Fassade mit ACM und Glass. Foto: Carlos Rubens Alencar

Gleichzeitig liegt ein Fassadenmaterial mit viel besseren Indizes im Hinterland hinter Fortaleza sozusagen auf der Hand: Es sind die großen Natursteinressourcen, die den Bundesstaat Ceará inzwischen zum drittgrößten Steinexporteur des Landes gemacht haben.

Wir reden hier nicht nur von den berühmten Quarziten mit ihren bunten Farben und exotischen Strukturen, etwa dem Taj Mahal, Perla Venata, Cristal Saint Moritz oder den super-exotischen Blue Deep und Sonata Blue. Sie gehen in den Export, vor allem auf die Luxusmärkte auf der Nordhalbkugel in New York City, London oder Dubai.

Ceará hat auch bekannte Granite, etwa den Branco Ceará, Cotton White, Rain Forest, Red Dragon, Ouro Branco und Ouro Light.

Auch verwendbare Kalksteine gibt es zuhauf.

Zur Lösung des Paradoxons empfehlen wir deshalb eine „Neue DNA für das Bauen in Fortaleza“. Sie soll ökologische Gesichtspunkte und einen territorialen Bezug in die Architektur holen.

Sie verwendet die heimischen Steine: Granit als Verkleidung für die Außenfassaden und Quarzite für die Innenarchitektur des Eingangsbereich und für die Etagen obendrüber.

Fassade mit dem Granit Branco Ceara. Foto: Carlos Rubens Alencar

Solche Gebäude würden sich auch von Bauwerken an anderen Orten der Welt unterscheiden: Wie in den historischen Altstädten würden sie Identität herstellen und die jeweilige Stadt in ihrer Architektur wiedererkennbar und liebenswert machen.

Zudem: Nicht nur das Material selbst hätte einen minimalen CO2-Fußabdruck. Auch die CO2-Freisetzungen aus dem Transport würden stark reduziert.

Und auf lange Sicht wäre die CO2-Bilanz sogar noch positiver – denn der Stein hält an den Fassaden der Sonneneinstrahlung stand.

BS Design Tower, Eingangshalle. Foto: Carlos Rubens Alencar

Allerdings, muss man anmerken: Auf ganz lange Sicht hält wahrscheinlich auch Naturstein nicht der Kraft des UV-Lichts der Sonne in Äquatornähe stand. Im Fall von Schäden kann er jedoch von einer Fassade abgenommen, aufgearbeitet und für die nächsten Jahrzehnte wieder installiert werden.

Solch eine DNA für das Bauen lässt sich aber nur dann etablieren, wenn die Menschen die Architektur schätzen, weil sie ihren Wohnort in den Materialien wiederfinden. Dann wertschätzen sie die Gebäude und schrecken auch vor Kosten nicht zurück.

Anmerkung: Die Veränderungen in der Verwendung von Naturstein in der polnischen Stadt Poznan hat Paweł Wolniewicz von der Adam Mickiewicz University analysiert: Von 1990 bis 2019 haben sich dort zum Beispiel die Transportwege von 322 auf 3885 km vervielfacht. Der Beitrag ist unter dem Titel „Rapid Growth of Dimension Stone Imports: Implications for the Urban Geocultural Heritage of the City of Poznań (Poland)“ in der Zeitschrift Geosciences, Basel, v. 16, n. 1, p. 45, 2026 erschienen.
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* Carlos Rubens Alencar ist Geologe und hat einen Master of Science in Geodynamik und Bodenschätzen. Er ist der Präsident des Natursteinverbands im Bundesstaat Ceará (SIMAGRAN-CE) und beschäftigt sich mit der Verknüpfung von regionaler Geologie, kohlenstoffarmer Architektur und der Rolle, die Naturstein dabei spielen kann.