Die Kathedrale von Angers. Foto: Kengo Kuma / Guillaume Amat

Ein Ensemble von Bögen ist der Schutzbau, den Kengo Kuma vor den Haupteingang der Kathedrale von Angers gestellt hat. Bögen sind eines der Kennzeichen der mittelalterlichen Gotteshäuser. Vom Material her aber hat der japanische Architekt sein Bauwerk deutlich von dem aus Naturstein errichteten Gotteshaus auf dem höchsten Punkt der Stadt abgesetzt: Die Bögen vor und über dem Haupteingang sind aus einem modernen Beton errichtet, dem Sand und Aggregate aus dem Flusstal der Loire beigemischt wurden.

Die Kathedrale Saint-Maurice wurde von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, in Bränden und Stürmen beschädigt und später im Geschmack der jeweiligen Zeit verändert. Eine Veränderung kam mit der Renaissance, als die farbigen Bemalungen außen und innen an der Kirche entfernt oder weiß übertüncht beziehungsweise innen hinter Holz versteckt wurden.

Die Kathedrale von Angers. Foto: Kengo KumaDie Kathedrale von Angers. Foto: Kengo Kuma / Guillaume Amat

Bei einer Reinigung der Fassade im Jahr 2009 kamen diese Farben am Haupteingang jedoch wieder zum Vorschein.

Der Fund war sensationell, denn die alte Polychromie zeigt sich hier in ihrer ursprünglichen Pracht. Vergleichbares findet man nur an den Kathedralen von Reims und Senlis.

Um diese Zeitdokumente einerseits zu schützen und andererseits für die Besucher sichtbar zu erhalten, gab es einen Architektenwettbewerb, bei dem sich Kengo Kumas Konzept durchsetzte.

Die Arbeiten wurden im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Die Kosten von 2,7 Millionen € übernahm das Kulturministerium in Paris.

Die Kathedrale von Angers. Foto: Kengo Kuma

Der Haupteingang ist reich geschmückt mit Reliefs, in deren Mittelpunkt Christus steht. Die neu aufgetauchten Farben sind unerwartet vielfältig und immer noch leuchtend. Das geht unter anderem darauf zurück, dass es lange einen Vorbau über dem Eingang gegeben hatte. Der war 1807 entfernt worden; das Überpinseln in der Renaissance und der Schmutz der Jahrhunderte waren danach hinreichend, um die Farben zu sichern.

Mittelalterliche Figuren über den Haupteingang der Kathedrale von Angers. Foto: Wikimedia Commons / MbztChristus aus dem Tympanon über dem Haupteingang zur Kathedrale von Angers. Foto: Wikimedia Commons / Mbzt

Kumas Bogenbau ist 21 m breit (3 Bögen), 7 m tief (1 Bogen) und 11 m hoch. Zur Funktion schreibt der Architekt: „Der Raum dient als Prozessionsvorhalle und vereint mehrere Funktionen: Empfang, Besinnung, liturgisches Leben und Verbindung zum Bestattungsritus. Er greift das Motiv des Portals auf, das die Offenbarung des Johannes darstellt – eine Offenbarung durch Licht. Diese Architektur wurzelt im mittelalterlichen Verständnis der Vermittlung zwischen Mensch und Heiligem.

Und: „Die drei Einheiten „symbolisieren die Heilige Dreifaltigkeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Anbau verkörpert diese sakrale Funktion und steht für den Übergang – ein Symbol für die Verwandlung, die für jede Entwicklung notwendig ist. Über Kulturen und Epochen hinweg beinhalten Initiationsrituale einen Übergang, nach dem der Teilnehmer verändert hervorgeht.“

Kengo Kuma and Associates

La Cathedrale d’Anders (französisch)

3D-Animation

Die Kathedrale von Angers auf dem höchsten Punkt der Stadt. Foto: Wikimedia Commons / Dennis G. JarvisQuelle: Kengo Kuma and Associates