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Skandinavische Gesteine waren ein Schwerpunktthema beim Treffen des Netzwerks Steine in der Stadt in Lübeck

Nicht nur Backstein: Schiefer schmückt die Dächer des Holstentores in Lübeck. Hier ein Blick von der Petrikirche. Quelle: Wikimedia Commons / <a href=" http://www.c-w-design.de"target="_blank">Christian Wolf</a>

Die Gletscher der Eiszeit und später die Handelsschiffe der Hanse brachten Granite und Kalksteine aus dem Norden nach Deutschland

Das Netzwerk Steine in der Stadt hielt in diesem Jahr seine 13. Arbeitstagung in Lübeck ab. Dabei ging es nicht nur um heimische Natursteinvorkommen, sondern auch um die Steine aus Skandinavien. In einem pdf, das man von der Webpage herunterladen kann, sind die Referate in Kurzform zusammengestellt. Wir geben einige der Abstracts zu den Themen mit Bezug zum Norden gekürzt wieder.

Netzwerk Steine in der Stadt

Lübeck feiert im Jahr 2018 übrigens seinen 875. Geburtstag.
 

Referate in Kurzform (Download):

Natursteinfunde und -befunde der Grabung im Lübecker Gründungviertel; Radis, U:
In Lübeck steht mit dem Gründungsviertel, gelegen im Unesco-Kulturerbe der Altstadt, eine groß angelegte Rekonstruktion historischer Gebäude an. Etwa ab den 1170ern griffen die Bauherren auf Findlinge für einzelne Bauelemente wie Treppenwangen oder für die Fundamente ihrer Häuser zurück. Die ältesten Importe aus dem Norden sind Kalksteinplatten aus Gotland, wahrscheinlich auch aus Öland. Vermutlich kamen sie oft als Rohmaterial zur Kalkmörtelherstellung oder als Ballast für Schiffe nach Lübeck.
 

Die Naturwerksteine Skandinaviens – von der Hanse bis in die Neuzeit; Wolf, S., Natursteinwolf GmbH, Lübeck:
Die Firma Natursteinwolf, ehemals: Rechtglaub-Wolf, mit Hauptsitz in Lübeck pflegt bereits in der 4. Familiengeneration einen besonderen Kontakt zu den Steinbrüchen in Skandinavien. Die Vorgeschichte ist lang: Gotland-Kalkstein kam wohl schon mit dem Handelsabkommen von 1161 zwischen den Gotländern und der Hafenstadt Lübeck über die Ostsee. Die nach Gotland reisenden Lübecker traten damals als „Genossenschaft der Gotland besuchenden Deutschen“ zusammen und gründeten damit die Ur-Hanse. Aus den öländischen Kalkfelsen kommt das Material für alles, was Öland seinen Charakter gibt: für vorgeschichtliche Burgen und Häuser, Steinkreuze und Gräber, Kirchen, Ställe, Brunnen und Steinmauern. Die Bearbeitung des Kalksteins war eine lebenswichtige Einkommensquelle für die Inselbewohner, besonders im nördlichen Teil, wo in früheren Zeiten die Landwirtschat allein die Bevölkerung nicht ernähren konnte. Auch wenn der Bohus-Granit schon zur Hansezeit mit den Handelsschiffen in den Norden Deutschlands kam, wuchs der Export erst seit 1900 stetig an.
 

850 Jahre Bauen und Gestalten mit Stein zwischen Trave und Oder; Lehr, R., Roith:
Die ältesten mittelalterlichen Bildwerke sind sogenannte Bildsteine mit Abbildungen von slawischen Gottheiten. Ein Exemplar ist der Jaromar-Stein an der Marienkirche in Bergen/Rügen. Taufbecken bezog man als Fertigprodukte von der Insel Gotland. Mitte des 14. Jh. hatte die Hanse die Insel Öland als Pfand zugesprochen bekommen, seither wurde auch roter und grauer öländischer Kalkstein ein begehrtes Handelsgut. In der Renaissance setzte sich ein neues Architekturkonzept durch, wonach Sandstein ein wesentlicher
Bestandteil im repräsentativen Bauen wurde: Die Fürsten, pommersche wie mecklenburgische, holten sich den Elbsandstein seit etwa 1560 über die Elbe ins Land; die reichen hanseatischen Bürger nutzten ihren Zugang zur Ostsee und importierten Burgsvik-Sandstein seit ca. 1570 von der Insel Gotland.
 

Straßensteine in der Innenstadt von Lübeck; Stein, K.J., Feldberger Seenlandschaft:
Charakteristisch für das historische Stadtbild in einigen Bereichen zu den alten Hafenplätzen hin sind immer noch die historischen Pflastersteine. Sie wurden aus den pleistozänen Ablagerungen der Umgebung des Ortes gewonnen und zeigen die farbige Vielfalt der skandinavischen Gesteinswelt. Der dabei dominierende rote Farbton der Alkalifeldspäte in den Graniten und Gneisen wurde in den folgenden Erneuerungen des Straßenbildes überwiegend beibehalten. Bis auf wenige graue Ausrutscher, wohl auch dem Betonzeitalter geschuldet, hat die Innenstadt so den Flair ihres „hanseatischen Rots“ zwischen den Backsteinbauten und dem bunten skandinavischen Pflaster bewahrt. Heute sind überwiegend 9 Gesteine aus 3 Kontinenten verbaut.
 

Schiefer per Schiff – Von der Römerzeit und der Hansezeit über Kielballast für Segelschiffe bis zum heutigen Weltmarkt; Wagner, H. W., GUT-Beratungsbüro Mayen:
Schiefer für die Dachdeckung wurde, wie andere Naturwerksteine, schon seit der Antike per Schiff transportiert. Der Handel setzte sich bis zu den Küstenhäfen der Hanse fort. So gibt es gleich mehrere Funde und Urkunden aus Lübeck: das Holstentor mit einer Dachausbesserung von 1616, das Burgtor von 1444(?), der Renaissancevorbau des Rathauses von 1571 und das Heilig-Geist-Hospital von 1614. Ähnlich alte Funde gibt es auch in Hamburg, Bremen, Stralsund und anderen Hansestädten. Eine spätere maritime Tradition im 18. und 19. Jahrhundert ist der Import von Schiefer aus Großbritannien. Der wichtige Hafen Portmadoc gab dabei dem „Portmadoc-Schiefer“ seinen Namen. Abnehmer waren nahezu alle Hafenstädte an Nord- und Ostsee. Es entstanden kaum Transportkosten, denn der Dachschiefer wurde bei den Segelschiffen als ohnehin notwendiger Kielballast verwendet.
 

Die Natursteine des Ulrich-Epitaphs im Güstrower Dom: bemerkenswerte geologische Einblicke in die Kunst der Renaissance in Mecklenburg; Fuchs, A., Kunst- und Altertumsverein Güstrow; Schirrmeister, G., Büro für Natursteinberatung, Berlin:
Der vom wendischen Fürsten Heinrich Borwin II. 1226 gestiftete Güstrower Dom wurde in der Übergangszeit von der Romanik in die Gotik errichtet. Das wohl imposanteste Werk dieser Zeit ist das Ulrich-Epitaph. Mit einer Fläche von 60 Quadratmetern zählt es zu den größten heute noch in seiner ursprünglichen Gestaltung erhaltenen Wandbildwerken der Renaissance aus Naturstein. Die Liefergebiete für die verarbeiteten Natursteine Alabaster, Rikalke, Sandsteine und Kohlenkalk sind:
* weißgrauer – grünlichgrauer Sandstein: südlicher Teil der Insel Gotland;
* dunkelgrauer bis schwarzer Kohlenkalk: Dinant (Belgien);
* rötlicher fossilreicher Rikalk: Insel Gotland (Schweden),
* Alabaster: Chellaston (England).
 

Öffentlicher Abendvortrag: Geologische Streifzüge durch Nordeuropa; Obst, K., Geologischer Dienst, LUNG M-V, Güstrow:
Nordeuropas Geologie beinhaltet ein Mosaik von verschieden alten Gesteinsformationen, die während mehrerer Gebirgsbildungsphasen in den letzten 3,5 Milliarden Jahren entstanden.
 

Das Gold der Eiszeit: GeoPark Nordisches Steinreich; Pfeiffer, K., GeoPark Nordisches Steinreich:
Die ganze Vielfalt der skandinavischen Gesteine findet sich auf jedem Strand und in jeder Kiesgrube des GeoParks Nordisches Steinreich. Sie sind das „Gold der Eiszeit“. Der GeoPark Nordisches Steinreich erstreckt sich von Hamburg bis Schwerin, von Lüneburg bis zur Ostsee. Er vermittelt das Wissen um die geologischen Prozesse, die unser Leben bestimmen. Ob Vorträge, Seminare oder Exkursionen – für jede Zielgruppe, seien es Touristen, Fachfirmen oder Schüler, gibt es verschiedene Themenmodule auf unterschiedlichem Niveau. Von Tsunamis, über Vulkanausbrüche bis zum Klimawandel und dem Kampf um Rohstoffe – die Geologie beeinflusst unser Leben.
 

Poster: Baltischer Naturstein in den Niederlanden; Nijland, T.G., TNO, Delt, Niederlande; Dubelaar, W.; TNO, Geologischer Dienst Niederlande, Utrecht; Tolboom, H.J.; Rijksdienst Cultureel Erfgoed, Amersfoort, Niederlande; Brink, T.; Kampen, Niederlande.
 

Exkursion: „Feldsteinkirche Ratekau und Brodtener Steilufer“. Am Beispiel der Kirche wird erläutert, wie die Menschen früher Wände aus Hochbrandgips und Feldsteinen herstellten. Der damalige Gips, anders als das heutige Material aus dem Baumarkt, war extrem hart und konnte auch an Außenwänden eingesetzt werden. Kein Wunder: Das Brennen dauerte zwischen 20 und 80 Stunden und verlief bei durchschnittlichen Temperaturen von ca 950 °C.
 

Weitere Vorträge und Poster:
* Bayreuther Marmore. Bearbeitung und Verwendung polierfähiger Kalksteine und Marmore aus Nordbayern in der Barockstadt Bayreuth. Lehrberger, Gerhard, TU München
* Global Heritage Stone Resource – eine internationale Kennzeichnung für bedeutende Naturwerksteine. Ehling, A.; Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Berlin
* Eifel-Vulkanite und -Vulkaniklastika in der Architektur NW-Europas und Jütlands. Schumacher, K.-H.; Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V.
* Zwischen Supervulkan und Gletschersteinpyramide – Geologische Streifzüge in der Leipziger Innenstadt, Krüger, A., Universität Leipzig; Hebold, W.; Geopark Porphyrland. Steinreich in Sachsen; Heidenfelder, W.; GEOmontan GmbH Freiberg.
* Erfassung historischer Natursteinbrüche in Bayern
für die Denkmalpflege – erste Erfolgserlebnisse, Poschlod, K.; Bayerisches Landesamt für Umwelt, Augsburg.

Weitere Poster:
* Die Gesteinskiste – Materialien für einen handlungsorientierten Schulunterricht; Holzförster, F., Köcher, G., Weiß, P. & Mack, A., GEO-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung KTB, Windischeschenbach
* Bildband Entryways of Milan – Mit Naturstein gestaltete Hauseingänge in Mailand. Ehling, Angela; BGR Berlin
* Initiative Fichtelgebirgsgranit, Arge Initiative Fichtelgebirgsgranit; c/o Staatliche Fachschule für Steintechnik und Gestaltung, in Lübeck vertreten durch Andreas Peterek, GEOPARK Bayern-Böhmen.

Exkursion 1: Naturwerksteine in Lübeck, Altstadtinsel

Exkursion 2: Werk Natursteinwolf GmbH & Co. KG

Autor: Peter Becker

(22.08.2018)