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Architekturprofessor Christoph Mäckler: „Mit Naturstein ist ein Gebäude ein Gebäude – und kein Kladderadatsch“

Professor Christoph Mäckler bei seinem Vortrag auf der Stone+tec 2018. Foto: Stone+tec

Vortrag auf der Messe Stone+tec zur Verleihung des Deutschen Natursteinpreises

Selten hat man so einen unterhaltsamen und anregenden Vortrag über Naturstein als Baumaterial gehört wie den von Professor Christoph Mäckler bei der Verleihung des Deutschen Natursteinpreises 2018. Er verzichtete ganz auf die übliche Lobhudelei, dass das Material in den ältesten Bauwerken der Menschheit vorkommt oder dass es sich einer Bearbeitung mit viel Härte entgegenstellt. Statt dessen breitete Mäckler liebevoll eine Detailsammlung aus, was ein Architekt mit dem Material alles machen kann.

Die Leitlinie war dabei ein „werthaltiges Bauen“ – gemeint ist damit zum einen, dass Architekt und Bauherr Qualität wollen, und andererseits, dass das Gebäude das auch ausdrückt.

In diesem Sinne sprach Mäckler davon, dass Naturstein mit einer gewissen Mindestdicke „einem Gebäude Kraft gibt“: „Wenn man es betrachtet, glaubt man ihm, dass es ein Gebäude ist… und kein Kladderadatsch.“

Die vielen Möglichkeiten, die der Stein dem Architekten bietet, brachte er mit Augenzwinkern auf den Punkt: „Naturstein ist wie eine Hose – es kommt darauf an, was man damit macht.“

Detail der Fassade am Historischen Museum in Frankfurt/Main. Foto: Foto: Roland Halbe

Mäckler ist ein Fan der sorgfältig bearbeiteten Oberflächen. Die üblichen polierten Fassadenplatten aus Naturstein sind ihm ein Graus. Bei seinem Vortrag zeigte er Fotos antiker Skulpturen und erinnerte an den Ausspruch von LeCorbusier, dass das „Auge über die Formen tastet“.

Entsprechend wünscht er sich Reliefs auf der Oberseite des Steins. „Das kann man heute mit Maschinen preisgünstig machen“, sagte er und sprach damit die große Chance an, die sich der Steinbranche neuerdings bietet.

In einer Fassade sollten sich Ziersteine mit vielen Details finden. Sockel aus Naturstein wünscht er sich, „weil sie Ordnung in eine Fassade bringen“.

Ein Gebäude mit Ecksteinen und Sockel ist die Stetson Hall
Auf dem Campus des Williams College im US-Bundesstaat Massachussetts. Foto: Peter Aaron/OTTO

Mit Steinen betonte Gebäudeecken hätten ebenfalls ordnende Funktion.

„Detaillierung“, „Kraft“ und „Ordnung“ waren die Schlüsselbegriffe in seinem Vortrag. Naturstein als Material bietet hierfür Möglichkeiten in jeder Hinsicht, so Mäckler.

Er verwies auf die Architektur in der Neuen Frankfurter Altstadt, wo er Vorsitzender des Gestaltungsbeirats war, und sagte, dass einige junge Architekten hier viel versprechende Arbeiten abgeliefert hätten: „Ich bin hoffnungsfroh, dass sich die Architektur weiterentwickelt.“

Dabei spielt für ihn der Bezug eines Bauwerks zu dem Standort eine besondere Rolle. Naturstein trage Heimat in sich, Glas hingegen habe keinerlei Ortsbezogenheit. Mit Stein gelinge eine „Ensemblebildung“, wie sie bei den alten Städten und Dörfern bewundert werden. „An diesem Mauermaterial erfreut man sich noch nach Jahrhunderten, auch wenn es dann vielleicht eine ganz andere Funktion hat“.

Neben solcherlei sachdienlichen Hinweisen an die Zunft der Architekten hatte er umgekehrt Schelte für die Natursteinbranche parat: „Ihr müsst mal etwas für Euer Material tun“, forderte er mehr Öffentlichkeitsarbeit.

Christoph Mäckler Architekten

Deutscher Naturwerkstein-Verband (DNV)

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(30.08.2018)