Coronavirus: die meist kleinen Firmen der Steinbranche haben die Krise bisher weitgehend gemeistert

Auch die Steinbranche hängt sehr stark ab von den Transportmöglichkeiten zu einer Baustelle.

Kritischer Punkt ist der Transport, der teils stillsteht oder teurer geworden ist / Anpassungen mit reduzierten Belegschaften und Home Office

Das Coronavirus zieht weiter im die Welt und springt von Kontinent zu Kontinent. Inzwischen ist es in den USA angekommen, und es schlägt nochmal nach China zurück: dort hat die Regierung gerade für alle Reisenden aus dem Ausland eine obligatorische Quarantäne verhängt.

Während die Auswirkungen im Alltag dramatisch sind, scheinen sie sich für die meist kleinen Firmen der Natursteinbranche bisher im Rahmen zu halten.

Zunächst eine Momentaufnahme des Alltags betroffener Länder, hier aus Italiens Lombardei, die ein Zentrum der Coronakrise ist: In einem Video vergleicht ein Bürger die Zahlen der Todesanzeigen in der Tageszeitung vom 09. Februar 2020 mit denen vom 13. März 2020 – waren es zuächst anderthalb Seiten sind es einen Monat später zehn! Wenn Fotos von den Verstorbenen gedruckt werden, sieht man alte Menschen.

Man muss sich solch eine morgendliche Lektüre vorstellen, wenn der Ausnahmezustand verhängt ist und vor dem Haus der Krankenwagen mit Sirene vorbeifährt.

Francesco Grassi von der Firma Grassi Pietre, in Vicenza nicht allzu weit entfernt, klingt dennoch nicht panisch, wenn auch besorgt. Man halte den Betrieb sowohl im Steinbruch als auch in der Bearbeitung weiter aufrecht, sagt er. Weil man über eigene Materialien und ein großes Lager verfüge, hätte man kein Problem, die Kunden zu beliefern.

Jedoch: die Transporte sind inzwischen der große Flaschenhals. Denn die Länder in Europa haben die Grenzen dicht gemacht. Dabei erwartet Francesco Grassi, dass die Probleme gerade erst angefangen haben. Richtig schlimm würde es werden, wenn die Baustellen schließen würden.

Ähnliches bestätigen uns Firmen aus anderen europäischen Ländern: die Steinbrüche und Verarbeitungen sind weiter aktiv, wenn auch mit reduzierter Produktion, und das Material wird auch noch verbaut. Sofern es die Baustelle erreicht.

Gerd Merke, Generalsekretär von Euroroc, blickt über die Grenzen und verweist darauf, dass auf vielen Baustellen inzwischen die Arbeiter fehlen: Viele waren zum Beginn der Krise nach Hause zurückgekehrt, und dürfen jetzt nicht wieder über die Grenze.

Spanien ist wie Italien besonders schwer vom Coronavirus betroffen. Wir haben dort mit Francisco („Paco“) Castelló Santo von der Firma Bateig gesprochen. Auch er hat die Produktion umstrukturiert, damit weniger Leute gleichzeitig im Werk sind. Im Büro und Verkauf wird Home Office gemacht.

Der Transport ist auch für ihn im Moment das große Problem, dies auch deshalb, weil der Preis pro Container inzwischen um 20-30% angestiegen ist. Viele Kunden hätten Probleme, das einzupreisen, und würden deshalb Lieferungen auf später verschieben.

Gemildert worden sei der Effekt der ersten Monate der Krise in China dadurch, dass sie zeitgleich mit dem Neujahrsfest auftrat, das ohnehin das Land immer komplett lahmlegt. Das habe die Auswirkungen auf die Lieferländer insgesamt abgeschwächt.

Inzwischen seien die Firmen in Asien aber schon wieder dabei „der Welt zu zeigen, dass auch eine starke Krise sie nicht aufhalten kann“.

Die ersten Einbrüche in den USA seien auch für Bateig zu spüren. Da man dort aber Projekte beliefere, würde es vielleicht nicht allzu schlimm werden.

Deutlich wurde bei unserer Befragung per Telefon und Mail, dass die Firmen alle sehr schnell reagiert haben. Wie aus dem Nichts machen sie plötzlich Home Office und können es auch. Aus den Pressemails von Technikfirmen wie etwa der Biesse-Group oder Breton geht hervor, dass man auf digitalem Weg sowohl den Verkauf als auch den Kundenservice aufrecht erhalten will.

Insgesamt scheinen die von uns kontaktierten Unternehmen der Steinbranche die Maßnahmen ihrer Regierungen zu akzeptieren.

Francesco Grassi zieht ein Fazit und sagt voraus, dass „im Juni dieses Jahres die Dinge wieder ans Laufen kommen“. Aber er geht davon aus, dass Corona deutliche Spuren hinterlassen wird: „Nach 2020 wird unser Leben und die Wirtschaft anders sein.“

Auch erfreuliche News gibt es auch der Steinbranche und verwandten Branchen: Neolith, Hersteller von Engineered Stone mit Sitz in Almazora, hat 300.000 € als Unterstützung für 3 Krankenhäuser in der Provinz Castellón gespendet; Francesco Grassi bedankt sich „bei den vielen Kunden“, die ihm Schutzmasken zur Verteilung in Italien geschickt hätten.

Denn noch immer ist dort und woanders in Europa der Gipfel der Fallzahlen nicht erreicht und weiter westlich ist das Problem erst angekommen.

Grassi Pietre

Bateig

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(20.03.2020)