DryTile: Verlegung von keramischen Bodenfliesen ganz ohne Kleber oder Mörtel

Kreislaufwirtschaft ist das Gebot der Stunde – viele Möglichkeiten sind hier noch ungenutzt. Foto: Foto: Patrik Nylin / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>s

Das System verwendet Kork als Unterlage und eine spezielle Fugenmasse / Kann das Prinzip für Natursteine verwendet werden?

Wir schauen gelegentlich zur Konkurrenz der Natursteinbranche, was deren Verbände und Firmen so machen. Diesmal: DryTile mit Steinzeug-Bodenfliesen aus Deutschland:

DryTile ist ein innovatives Verfahren für die Verlegung von Steinzeug-Fliesen. Wie der Name sagt, funktioniert es ganz ohne Kleber. Das bedeutet, dass sich solche Arbeiten sehr viel schneller als gewöhnlich erledigen lassen. Außerdem kann später der Boden leicht entfernt und wiederverwendet werden.

Letzteres ist der Aspekt, der das Verfahren für die Natursteinbranche interessant macht.

Entwickelt wurde DryTile von der Deutschen Steinzeug AG, einem großen Hersteller solcher Materialien, gemeinsam mit der Trison GmbH, von der das Materialrezeptund das handwerkliche Know-how stammt. Seit 2017 wird DryTile von einer Tochterfirma auch in Nordamerika vertrieben.

Das Prinzip ist einfach: die Fliesen haben auf der Unterseite einen Belag aus Kork, der als Trennschicht zum Boden und zudem als Isolierung gegen Trittschall dient.

Eine spezielle Fugenmasse gewährleistet die Stabilität der Verlegung. Damit werden die Fliesen fest miteinander verbunden.

Eine Besonderheit dieser Fugenmasse ist, dass sie auch leicht wieder entfernt werden kann, wahlweise mit einem Spezialwerkzeug (ohne Staubbelastung) oder ganz normal mit einer Flex.

Jedoch müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit DryTile funktioniert:
* der Untergrund muss absolut eben sein. Gegebenenfalls muss eine selbstnivellierende Ausgleichsmasse verteilt werden;
* beim Anrühren der Fugenmasse muss das vorgeschriebene Mischungsverhältnis penibel eingehalten werden;
* nach 12 Stunden kann solch ein Bodenbelag eingeschränkt betreten werden und nach weiteren 12 Stunden ist er uneingeschränkt benutzbar;
* ohne Verfugung kann der Boden auch sofort betreten werden, so dass andere Gewerbe arbeiten können.

Die Garantie beträgt 5 Jahre. Der Belag ist auch für Fußbodenheizungen geeignet, wie Tests der TH Nürnberg gezeigt haben.

Wenn später zum Beispiel der ganze Boden oder Teile davon erneuert werden, lassen sich die Fliesen nicht nur einzeln wieder herauslösen. Vielmehr können auch größere Verbünde herausgetrennt werden.

Im Kern des Verfahrens stehen die Fugen und die Fugenmasse. Die Breite der Fugen kann 3 bis 8 mm betragen: sie wird dadurch gewährleistet, dass die Korkschicht etwas übersteht und so beim Auslegen der Fliesen die Abstände automatisch entstehen.

Die Verlegung kann auch auf Holz oder auf Spanplatten erfolgen, jedoch nicht auf schiefen Ebenen oder an der Wand. In Außenbereichen oder in bestimmten Nassbereichen ist eine Verwendung nicht möglich.

Für eine Verarbeitung ohne besondere Maßnahmen braucht es Temperaturen zwischen +5 Grad C und +30 Grad C.

Dehnungsfugen sind möglich, auch Abstände und Übergänge zur Wand.

DryTile wurde 2020 mit dem deutschen Green Product Award in der Kategorie Architektur ausgezeichnet. Die Jury verwies dabei auf weitere Besonderheiten hin:
* im Transportstapel wirkt der Korkrücken als Puffer, was den Aufwand für die Verpackung reduziert;
* sämtliche Komponenten entsprechen den Anforderungen der US Food and Drug Administration (FDA) sowie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und sind folglich auch für Lebensmittelkontakt geeignet;
* die Produktvariante „Hytect“ verspricht, mittels Fotokatalyse Gerüche und Luftschadstoffe zu neutralisieren und antibakteriell zu wirken.

DryTile Ceramics GmbH

Beim Recycling von Reststücken aus der Produktion ist die Steinbranche schon weit. Nun geht es um das Wiederverwenden der kompletten Produkte, zum Beispiel eines Bodenbelags.

(27.01.2021)