Frankreichs Steinbranche legt Studie zur Ökobilanz von Grabmalen vor

Das für die Studie untersuchte Modell eines Grabsteins.

Verglichen wurden Objekte mit Stein aus Frankreich beziehungsweise China, und dabei schnitten die heimischen Produkte erwartungsgemäß besser ab

Auch Naturstein braucht wissenschaftlich basierte Ökobilanzen und EPDs, um am Markt zu bestehen. Das gilt nicht nur für die Auseinandersetzung mit konkurrierenden Materialien wie Keramik oder Kunststein. Das gilt auch für die Produktion in heimischen Steinbrüchen, die sich der Billigexporte erwehren muss. Aus Frankreich kommen nun solche Daten für Grabmale. Die Zeitschrift „Funéraire“ hat darüber berichtet. Sie erscheint im selben Verlag wie das Natursteinmagazin „Pierre Actual“.

Das Technikzentrum CTMNC (Centre Technique de Matériaux Naturels de Construction) hat von seiner Arbeitsgruppe Bestattung (Groupe de Travail Funéraire) einen Vergleich von Grabmalen aus verschiedener Produktion anstellen lassen: es geht um einen Granit aus der Bretagne, um einen aus China, und um einen aus einem französischen Granit, der nach China geschafft, dort bearbeitet und anschließend als Endprodukt wieder nach Frankreich zurückkam.

Analysiert wurden, wie bei einer Ökobilanz üblich, alle Phasen aus dem Leben des Steins: die Gewinnung im Steinbruch, die Verarbeitung in der Fabrik, die Aufstellung auf dem Friedhof und schließlich die Demontage und Entsorgung. Dazu kommen noch sämtliche Transporte, ebenso die Verpackung. Ermittelt wurde außerdem der Verbrauch von Energie und Wasser, die Freisetzung von Schadstoffen oder Klimagasen und vieles mehr.

Dabei geht die Analyse mitunter sehr ins Detail: da bei einer Ökobilanz auch die Benutzung des Produkts analysiert wird, nahmen die Spezialisten vom CTMNC hier einmal pro Jahr eine gründliche Reinigung des Grabmals an und kalkulierten dafür einen Verbrauch von 20 l Wasser ein.

Das Gesamtergebnis bestätigt die Erwartungen: die Grabmale aus heimischer Produktion haben eine um 2,5mal bessere Ökobilanz als solche aus China, beziehungsweise um 3mal besser als die, die eine Reise um die Welt hinter sich gebracht haben.

Das Deckblatt der Studie.

Detailliertere Angaben finden sich in einer Broschüre, auf französisch die kostenlos beim CTMNC heruntergeladen werden kann.

Wir konnten dort jedoch keine Quelle finden, woher das CTNMC die Daten für Herstellung beziehungsweise Verarbeitung in China hat.

Das fiktive Grabmal, für das die Berechnungen angestellt worden, zeigen wir ganz oben. Es hat eine Fläche von 2 m² und besteht aus 8 Einzelteilen. Durchgespielt wurde die Herstellung in Frankreichs großen Granitzentren Bretagne, Vogesen und Tarn. Als Ort der Aufstellung wurde ein Pariser Friedhof angenommen.

Die Berechnungen basieren auf der europäischen Norm EN 15804+A1. Sie gehen von einer Lebensdauer des Grabmals von 30 Jahren aus. Die Techniker orientierten sich hier an Werten, die sich – rein rechnerisch – aus landesweiten Statistiken ergaben: danach werden 30% eines Grabmals recycelt und wiederverwendet, 24,5% werden als Schotter einer neuen Verwendung zugeführt und 18,5% gehen in den Steinbruch zurück und werden dort bei der Renaturierung eingesetzt.

Der Anlass für die Studie war, dass auch in Frankreich immer mehr Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen Umweltaspekte der Produkte in Betracht ziehen.

Bei der abschließenden Beurteilung nimmt das Funéraire-Magazin darüber hinaus auch die sozialen Belange hinzu, nämlich dass Grabmale aus heimischer Produktion zuhause auch Arbeitsplätze schaffen: „Die Entscheidung für ein französisches Granitgrabmal, das in Frankreich hergestellt wurde, ist eine Entscheidung mit sozialer Verantwortung.“

Broschüre „Impact Environnemental d’un Monument Funéraire en Granit“ (französisch)

Funéraire (französisch)

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(19.04.2021)