Kombi-Einsatz von 3D-Scan und CNC: für Bildhauer und Natursteinfirmen eröffnen sich Möglichkeiten für neue Produkte und neuartige Kunstwerke

Büste von Joachim Grüter, dem langjährigen Präsidenten des Natursteinverbands DNV, per 3D-Scan und Roboterarm erstellt. Links Hermann Graser, der neue Verbandspräsident, in dessen Firma die Büste erstellt wurde.

Beispiele aus Italien, Spanien und Deutschland zeigen, wie die Kreativen sich schon der großen Chancen durch moderne Technologien bedienen

Aus Deutschland sind Neuigkeiten bezüglich der Nutzung von CNC-Maschinen zu vermelden, die inzwischen zu neuartigen Natursteinprodukten geführt haben. Ähnliche Entwicklungen hat es in Italien gegeben, jedoch blieben sie dort meist auf den Bereich der Kunst beschränkt. Über ein Projekt aus Spanien hatten wir kürzlich berichtet.

In Deutschland handelt sich um die Kreation von steinernen Abbildern von Personen mithilfe von 3D-Scannern und CNC-Maschinen. Das jüngste Beispiel wird auf dem Foto oben gezeigt: es stellt Joachim Grüter dar, den langjährigen Präsidenten des Natursteinverbands DNV. Die Idee zu der Arbeit stammt von Hermann Graser jun., dem neuen Verbandspräsidenten und einem der Chefs der Firma Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser.

Die Firma hat schon häufiger solche Ideen in die Tat umgesetzt und dabei 2 Kategorien entwickelt:

Von nahem zeigt sich deutlich, dass solch eine Büste als spezielles Gestaltungsmerkmal eine nur grob bearbeitete Oberfläche hat.

* bei einer „Büste“ wird eine Person von einem 3D-Scanner digital abgelichtet. Anhand dieser Datenwolke fertigt die Maschinen eine steinerne Büste, die, wie auf dem Foto zu sehen, nur grobe Oberflächen hat. Das ist gewollt und als spezielles Gestaltungsmerkmal zu verstehen. Anzumerken ist, dass die Büste gegenüber dem Original vergrößert ist;
* bei einem „Portrait“ wird mehr Detailtreue angestrebt, und gibt es deshalb einige Arbeitsschritte mehr: zunächst fertigt ein Bildhauer nach der Person ein Gipsmodell, anhand dessen der Scanner die Datenwolke erstellt. Damit erarbeitet die CNC-Maschine eine Grobfassung des Abbilds. Zum Schluss tritt wieder der Bildhauer in Aktion und nimmt die Feinarbeiten vor, etwa am Haarschnitt oder an den Falten im Gesicht beziehungsweise in der Kleidung.

Deutlich unterscheiden sich die Ergebnisse, und auch preislich liegen sie auseinander.

Für die „Büsten“ gibt es schon eine gute Nachfrage, bestätigt Nina Graser, Kommunikationschefin im Unternehmen und Ehefrau des Juniorchefs. Das Bamberger Natursteinwerk habe schon einige solche Aufträge erledigt, zum Beispiel für Firmen, die ihre Gründer ehren wollten und Büsten von ihnen auf dem Firmengelände aufstellten.

In Italien gab es schon eine Ganzkörper-Arbeit per San und CNC: als im Jahr 2019 der 500. Todestag von Leonardo da Vinci begangen wurde, beauftragte das Magazin National Geographic die Firma Tor Art aus Carrara, eine Statue zu kopieren, die Leonardo selber zeigt. Es handelt sich jene Skulptur, die Luigi Pampaloni im Jahr 1842 geschaffen hatte und die in einer Nische auf der Piazzale degli Uffizi in Florenz steht.

In Italien hat der Industriedesigner Raffaello Galiotto schon Roboterarme mit Wasserstrahl oder Seilsäge als Bildhauer eingesetzt. 2018 und 2019 zeigte er auf der Marmomac die Präsentation „Percorsi d’Arte“ (Wege der Kunst). Zu sehen waren in Halle 1 der Messe Skulpturen, bei denen die Idee vom jeweiligen Künstler stammt und er an der Programmierung mitgewirkt hat.

In Spaniens Provinz Andalusien wurden jüngst applaudierende Hände aus Marmor als Erinnerung an die Corona-Solidarität aufgestellt.

Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser

Foto: DNV

See also:

(23.08.2021)