Massivbauen mit kleinen Steinblöcken: in Lyon haben die Architekten des Studios Gilles Perraudin ein FabLab zur Förderung junger Handwerker errichtet

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Eines der Ziele des Auftraggebers, eines Tischlermeisters, war, den natürlichen Materialien Holz und Stein mehr Wertschätzung zu verschaffen

Massives Bauen mit Steinquadern, wie es einst auf der ganzen Welt für bedeutsame Bauten praktiziert wurde, ist in Frankreich für private Gebäude noch üblich. In der Stadt Lyon gibt es ein neues Projekt, das wieder einmal die Möglichkeiten solcher Gebäude auslotet. Architekt war Gilles Perraudin, Galionsfigur dieser Bauweise, Auftraggeber war ein Handwerker, der für sein Projekt unübliche Vorstellungen hatte.

Daniel Damidot, so sein Name, ist ein sehr erfolgreicher Tischlermeister, der in Caluire-et-Cuire, einem Vorort von Lyon, einige Werkstätten betreibt. Er wurde schon mit dem Titel „Bester Handwerker Frankreichs“ geehrt, und eines der Anliegen von ihm und seiner Ehefrau Annie ist, sein Können an junge Leute weiterzugeben, dies auch in der Absicht, damit die jungen Leute es an die Anforderungen der heutigen Zeit anpassen.

Also sollte aus einer seiner Werkstätten, nur ein paar Schritte vom Ufer der Rhône entfernt, ein FabLab entstehen. Die Abkürzung steht für „fabrication laboratory“ (Labor für Macher).

Damidot wünschte sich einen Ort des Lernens und Experimentierens für den Nachwuchs. Wichtig dabei für den Architekten: die jungen Leute sollten in dem Neubau, wie in einer Werkstatt üblich, genügend Platz haben, um auch größere Teile bewegen zu können.

Auf den Stockwerken obendrüber sollte es Büros zur Planung und Übernachtungsmöglichkeiten geben.

Ausdrücklich wünschte sich der Bauherr ein Gebäude mit einer markanten Architektur, das zudem natürlichen Baumaterialien einen Tribut zollen sollte.

Die 1. Planungsphase endete in einer Katastrophe, unter anderem weil die Anwohner Lärm befürchteten. Wobei man dazusagen muss, dass Caluire-et-Cuire traditionell ein Handwerkerviertel mit vielen Werkstätten ist. Praktisch um die Ecke liegt Croix Rousse, bekannt auch als Treppenviertel oder Montmartre von Lyon.

Für den 2. Versuch fand das Ehepaar in einer Ausschreibung den Architekten Gilles Perraudin, der in der Großstadt sein Büro hat. Seine Idee, das Gebäude in Massivbauweise mit Naturstein zu errichten, überzeugte die Bauherren und auch die Genehmigungsbehörde. Dann wurde ein Beratungsbüro hinzugezogen, das mit Argumenten die Stimmung unter den Anwohnern umdrehte und auch bei der Frage der Finanzierung half.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Die Mauern des Neubaus bestehen aus massiven Steinelementen, die 40 cm dick sind. Für das 1. und 2. Geschoss wurde der besonders harte spanische Kalkstein Albamiel verwendet. Auf den Geschossen obendrüber handelt es sich um den weicheren Marina Rosal. Beide Sorten stammen aus den Steinbrüchen der spanischen Firma Rosal Stones.

Insgesamt wurden 500 m³ Stein verwendet. Die Elemente wurden am Standort der Firma unweit der Stadt Murcia passgenau zugeschnitten, nummeriert und dann per LKW nach Lyon geschafft.

Sehr kurz war deshalb die Bauzeit, wie beim Massivbau üblich.

Für die Decken waren eigentlich Holzbalken vorgesehen. Laut Bericht der Architekten gab es jedoch Probleme mit Schadstoffen im Untergrund, so dass man sich schließlich für Beton entschied.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Die Vorderfront wird von einem einfachen Raster bestimmt. Auf der Rückseite sind auf den oberen Geschossen Balkone und Terrassen eingefügt. Deren Außenwände sind mit Lärchenholz verkleidet.

Ansonsten kommen die Mauern ohne Putz aus. Zusammengehalten werden sie von ihrem Eigengewicht und ein wenig Mörtel.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Das gibt den Giebeln an der Seite eine Besonderheit: deutlich zu unterscheiden sind die Steinsorten oben und unten, und auch die Strukturen im Stein sind nicht zu übersehen. Vermutlich war es ein Ziel der Architekten, damit den Stein als Material der Natur zu präsentieren.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

An einer Stelle ist auch deutlich zu sehen, wie dort die Steinelemente aneinandergesetzt sind.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Im Erdgeschoss (über der Tiefgarage) befinden sich die Werkstätten. Um möglichst große Räume zu erreichen, sind die Zwischenwände als Bögen gestaltet. Auf einer Giebelseite sind die Bögen zu sehen.

Im 1. Stock liegen die Büros. Darüber folgen auf 2 weiteren Geschossen je 4 Wohnungen. Ganz oben handelt es sich um Maisonette, die etwas zurückgesetzt sind.

Inzwischen werden die Apartments unter dem Namen Goutte d’Ebène als möblierte Wohnungen für längere Aufenthalte angeboten. Auf der Webpage dazu gibt es Fotos aus den Innenräumen.

Mit Ausnahme der Maisonette auf dem Dach haben die Wände keine Isolierung. Erfahrungen aus ähnlichen Projekten haben gezeigt, dass die thermische Masse des Steins für die Regulierung der Temperatur und auch der Feuchtigkeit in den Räumen sorgt.

Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.Perraudin Architecture: FabLab in Lyon.

Die Treppen zu den oberen Geschossen sind auf einer Seite in den Giebel integriert. Nach außen sind sie hinter einer markanten Struktur nach Art arabischer Mashrabiyas verborgen.

Perraudin Architecture (französisch)

Rosal Stones

Goutte d’Ebène (französisch)

Fotos: Perraudin Architecture

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(30.05.2022)