„Neues Leben für alte Steinbrüche“ ist der Titel einer Broschüre aus Australiens Bundesstaat Victoria

„Ephemeral Lake“ im Royal Botanic Gardens Cranbourne (Ausschnitt). Foto: John O’Neill / Wikimedia Commons

Die Zusammenstellung zeigt das, was man von anderswo kennt, gibt aber gibt auch Denkanstöße für innovative Ideen

Die Regierung im australischen Bundesstaat Victoria hat eine Broschüre herausgebracht, in der es um die Vorgeschichte der beliebtesten Freizeitflächen dort geht. „Neues Leben für alte Steinbrüche“ (“The New Lives of Old Quarries“) it der Titel, und anhand von 9 ehemaligen Stätten der Gewinnung von Naturstein oder Schotter sowie Sand wird gezeigt, wie diese Standorte heute genutzt werden und welche Rolle die Materialien von dort für viele Generationen spielten.

Insider finden nichts, was man nicht auch von anderswo kennt, etwa den ehemaligen Steinbruch als Ort für Festivals vor einer hohen Felswand oder als Freizeitpark mit Zonen für Sport, Wandern oder als Spielplatz für Kinder. Altbekannt sind auch die neuen Naturparks, wie sie überall in großen Schotterbrüchen angelegt werden.

Jedoch gibt die Broschüre eine schöne Übersicht, und aus einzelnen Beispielen kann man Hinweise ableiten, wo die Ideensuche für Neunutzungen beginnen kann.

Ein solches Beispiel sind die Royal Botanic Gardens Cranbourne, etwa 50 km von Melbourne entfernt. Dort wurde ehemals in großen Mengen Sand für die Bauwirtschaft gewonnen. Der neue Naturpark hat den Sand in seinen Mittelpunkt gestellt.
Cranbourne versteht sich als „heimische Erweiterung” des Botanischen Gartens von Melbourne und dreht sich um die Pflanzenwelt des 5. Kontinents: unter anderem gibt es einen Eucalypt Walk und den Gondwana Garden.

Damit nicht genug: im Zentrum der Anlage steht der Red Sand Garden, wo es um die Landschaften im Inneren Australiens geht. ‘Ephemeral Lake’ heißt dort eine Land Art mit rotem Boden und Keramik-Kunstwerk (siehe Foto oben).

Auch im All Nations Park in Northcote dient Kunst als Botschafter aus der Vergangenheit. Zahlreiche Skulpturen berichten davon, dass auf dem Gelände des heutigen Mehrzweckparks ehemals Ton abgebaut wurde.

Deckblatt der Broschüre.

Auch bei der Coburg Lake Reserve in Coburg spielt die Geschichte ein wichtige Rolle. Dort wurde ehemals der Basalt Bluestone abgebaut, zeitweise in insgesamt 41. Steinbrüchen. In einigen arbeiteten Strafgefangene und gewannen die Steine, aus denen das Pentridge Prison mit den hohen Mauern drumherum errichtet wurde. Heute gibt es in dem Park eine spezielle Wand aus halbfertigen Steinen und zahlreiche Stützmauern aus dem Material. Eine Avenue mit 164 Bäumen erinnert an die Gefallenen des 1. Weltkriegs.

Die Fitzroy Gardens auf dem Gelände von Melbournes ältestem Steinbruch sind ganz im Stil der viktorianischen Epoche gestaltet, als Siedler aus England einwanderten und ihre heimische Kultur mitbrachten. Weite Rasenflächen und Promenaden prägen das Bild.

Eine besondere Besucherattraktion dort ist das Cook’s Cottage, das an den Seefahrer und Entdecker James Cook erinnert: Es war 1775 von Cook’s Eltern im englischen Yorkshire errichtet worden, wurde 1934 Stein für Stein nach Australien transportiert und dort wieder aufgebaut.

Ein ganz anderes Konzept wurde in Maribyrnong etwa 8 km von Melbournes Innenstadt realisiert: dort liegt in einem weitläufigen ehemaligen Schotterbruch das Highpoint Shopping Centre. Es ist eines von Australiens erfolgreichsten Geschäftszentrum und verzeichnet pro Jahr etwa 1,2 Milliarden australische Dollar an Umsatz.

The New Lives of Old Quarries

See also:

(17.06.2022)