Das Material mit großer Dicke macht 3D-Ornamente oder Reliefs in unendlicher Bandbreite möglich
Das massive Bauen mit Naturstein bietet nicht nur große Möglichkeiten, um den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes zu verringern, sondern auch neue Möglichkeiten für die Gestaltung der Fassaden. Denn auf einmal haben die Architekten es mit einem wirklich dicken Material zu tun – bisher waren die Platten in vorgehängten Fassen nur wenige Zentimeter dick und die Planer hüteten sich, sie für eine künstlerische Gestaltung weiter zu reduzieren.
Bereits 2015 hatte der Architekt Christoph Sattler bei der Festrede zum Deutschen Natursteinpreis am Rand der Stone+tec in Nürnberg dafür plädiert, aus Fassaden mehr als bloße Verkleidungen von Wänden zu machen. Er hatte für „Reliefs und Ornamente“ plädiert.
Seiner Ansicht nach tragen diese dazu bei, dass die Stadt lebendig ist und zu einem lebenswerten Aufenthaltsort für die Bürger wird.
Gemeint sind damit aber nicht das antike Dekor von Säulen und Kapitellen oder die romantischen Blumengebinde aus Stein an den Fassaden.
Gemeint sind Gestaltungen unserer Zeit.
Wir sind im Rahmen unserer Reihe „Weltweit“ mal wieder in unser Fotoarchiv gestiegen und haben Fassadenbilder heraussortiert. Die Mehrzahl stammt aus Fürth, Nachbarstadt von Nürnberg, das in der Altstadt ganz aus dem lokalen Sandstein gebaut ist.
Wenn das Thema Sie interessiert, liebe Leser, schicken Sie uns eigene Fotos. Wir werden sie dann in unserer Gruppe „ Natural.Stone.Forum“ auf LinkedIn https://www.linkedin.com/groups/8988932/ und auf Stone-Ideas.com veröffentlichen.
Besonders freuen würden wir uns freuen über Beobachtungen, die nicht gleich ins Auge fallen. Zum Beispiel: steinerne Sitzbänke in Städten. Unser Foto zeigt sie aus Mailand: Ehemals dienten sie dazu, dass die Armen, die vor den Häusern der reichen Kaufleute auf Almosen warteten, sich hinsetzen konnten.
Schon die alten Baumeister konnten der Versuchung nicht widerstehen, den massiven Bausteinen ein Design mitzugeben. Die Fotos sind von der Facebook-Seite „Taille de Pierre“.
Heutzutage ist durch den Einsatz von CNC-Technik da sehr viel mehr möglich. Das Foto zeigt die Fassade des Weinguts Maison Delas Frères von Carl Fredrik Svenstedt.
Eine andere von Svenstedts Ideen ist die Fassade für das Weingut Les Domaines Ott.
Gestalterisch zurückhaltender sind manche der Fassaden in der Altstadt von Fürth, die komplett aus dem lokalen Sandstein gebaut ist.
Jedoch gibt es auch solche mit überboderdendem Dekor, wie es nach 1880 der Geschmack der Zeit war.
Auch liebevolle Kleinigkeiten findet man…
… und auch der Geschmack der geweiligen Zeit hat sich an den Fassaden niedergeschlagen (hier: Jugendstil).

Was den aktuellen Stand der Dinge beim Massivbauen mit Stein angeht, gehen die Architekten sehr feinfühlig mit den Möglichkeiten um. Das zeigen die Fensterverkleidungen bei diesen Projekten des Büros Archiplein in Genf (1, 2).


Schauen wir uns zum Schluss noch etwas in Fürth um, denn dort gibt es viele außergewöhnliche Gebäude, deren Natursteinfassaden von oben bis unten künstlerisch gestaltet sind.
(30.08.2024)

