Die Bildhauerarbeiten des Symposiums 2025:
https://www.stone-ideas.com/112096/tuwaiq-sculpture-symposium-2025/
Wo die Kunstwerke aufgestellt werden:
https://www.stone-ideas.com/112524/steinskulpturen-tuwaiq-symposium/
Zum 6. Mal fand in diesem Jahr das Tuwaiq Sculpture Symposium statt, bei dem (vom 15. Januar bis 09. Februar 2025) 30 internationale Bildhauer am Rand der saudi-arabischen Hauptstadt ihre monumentalen Arbeiten in lokalem Granit und Basalt fertigten. Es hebt sich deutlich heraus aus allen vergleichbaren Veranstaltungen weltweit: Zum einen sind die Bedingungen für die eingeladenen Künstler mehr als üppig, zum anderen geht es den Veranstaltern um weit mehr, als nur mithilfe der Kunst Aufmerksamkeit bei Touristen zu erzeugen.
Bei Tuwaiq – das ist eigentlich der Name der Berge nahe der Hauptstadt – lautet die Zielsetzung, „die Kunst zum Normalfall im Alltag der Bürger zu machen“, wie Sarah Fahad Alruwayti bei einer Podiumsdikussion im Rahmen des Symposiums sagte. Sie ist die Vordenkerin des Symposiums und in leitender Funktion bei der Königlichen Kommission für die Hauptstadt (Royal Commission for Riyadh City) speziell für das Programm Riyadh Art zuständig.
Diese Zielsetzung ist eine uralte Forderung, um das Leben der Menschen zu verbessern. Heutzutage aber dreht sich aller Zugewinn an Lebensqualität meist nur um ein Mehr an Konsum.
Sarah Alruwayti fügte einen ästhetischen Aspekt an: „Die Stadt soll schöner werden.“
Man beachte: In beiden Fällen geht es um den Lebensraum der Bürger, auf dass sie sich in ihrer Stadt wohl und zu Hause fühlen, dass sie sich mit ihr identifizieren und umgekehrt ihrerseits an der Gestaltung mitwirken.
Deshalb sollen die Kunstwerke aus Tuwaiq über die Stadt verteilt werden, ebenso wie die vielen anderen Arbeiten, die im Rahmen der Programme von Riyadh Art schon entstanden sind. Wir berichten in einem separaten Beitrag über den Stand der Dinge.
Erstmals gab es bei dieser 6. Ausgabe von Tuwaiq aber auch interaktive Aktionen, um die Bürger zur Mitwirkung an der Gestaltung der Stadt anzuregen.
So fand in einem Zelt auf dem Symposiums-Gelände der sogenannte Tuwaiq-Hub statt: Hier konnten die Besucher Gravuren auf Gips-Ziegeln einritzen und diese nachher mit nach Hause nehmen oder an der Zeltwand ausstellen.
Im Zelt gegenüber ging es um die Annäherung an die Kunst über das Material: Dort wurde über die Natursteine des Symposiums informiert: wo sie im Königreich gewonnen werden, wie sie bearbeitet werden, und wofür man sie verwenden kann.
Ein spezielles Thema des Symposiums war, junge Leute an die Kunst heranzubringen: im Rahmen des neuen Apprenticeship Programms (wörtlich übersetzt: Lehrlingsprogramm) verbrachten zehn junge saudische Studenten aus Kunst- und Designschulen beziehungsweise angehende Künstler das ganze Symposium auf dem Gelände. Die Künstler agierten als Mentoren für sie.
So wie „die Großen“ ihre Arbeiten fertigstellten, so erprobten sich auch „die Kleinen“ am Material und an der kreativen Arbeit, dies natürlich nicht in den monumentalen Dimensionen wie bei Tuwaiq üblich.
Vom Zeitbudget war das für die Künstler kein Problem. Denn jedem von ihnen gingen zwei Steinmetze aus Ägypten beim Bearbeiten der Rohblöcke zur Hand – auch das eine weltweit einmalige Besonderheit von Tuwaiq.
Sagenhafte 750 Bewerbungen für eine Teilnahme an dem Symposium hatte es 2025 gegeben. Ausgewählt wurden 23 internationale Künstler und 7 Saudis. Auch bei den Kuratoren gab es eine Mischung zwischen international und national: Chefkurator war Sebastian Betancur-Montoya, von dem nur zu erfahren war, dass er aus dem Hochland der Anden in Lateinamerika stammt, in Riyadh an der Princess Nourah bint Abdulrahman University unterrichtet Kuratorin Dr. Manal Al-Harbi aus Saudi-Arabien.
Die Veranstalter erhoffen sich davon einen Austausch und eine gegenseitige Bereicherung.
Die Jury, die die Teilnehmer aus den Bewerbungen austauscht, wechselt von Jahr zu Jahr, damit es keine Einflussnahmen geben kann.
Das Thema für die Arbeiten 2025 lautete „From Then to Now: Joy in the Struggle of Making“ (etwa: „Von damals bis heute: Freude beim Bemühen um das Machen“).
Tuwaiq soll jedoch nicht nur eine schöne Stadt bringen, sondern auch eine wirtschaftlich starke. Das Königreich entwickelt für die Zeit nach dem Erdöl die „weichen“ Bereiche der Wirtschaft, etwa Tourismus oder eben Kunst und Kultur.
Die Transformation des Königreichs zu einem modernen Staat wurde im April 2016 von Kronprinz und Premierminister Mohammed bin Salman unter dem Titel „Vision 2030“ ausgerufen.
Bei der erwähnten Tuwaiq-Podiumsdiskussion hatte Omar Nasser Albraik, Senior Director of Art bei der Royal Commission for Riyadh City, das Konzept umrissen: „Riyadh soll sich zu einem Powerhouse der Kreativität entwickeln“.
Trotz all dieser großen Ziele war die Atmosphäre bei Tuwaiq wie üblich von Leichtigkeit geprägt.
Zur Eröffnung der Ausstellung mit den fertigen 30 Kunstwerken gab es eine Gala auf dem Gelände, bei der ein italienischer Pianist populäre Musikstücke von Beethoven über Abba bis Sängerin Adele intonierte.
Für das Event vorher hatte ein bekannter Patissier aus Riyadh einen Steinblock aus Zuckerwerk nachgebildet. Zur Verköstigung der Gäste legte ein Diskjockey Dancefloor-Music auf, und später sangen die Anwesenden spontan ein Geburtstagständchen für Sarah Alruwayti.
Omar Nasser Albraik hatte bei der Podiumsdiskussion noch einen anderen Satz geprägt: „Die jungen Leute von heute kennen das Wort ,unmöglich‘ nicht mehr.“








