Die Künstler und die Organisatoren des Tuwaiq Sculpture Symposium 2026.

Wir zeigen die beim Symposium geschaffenen Skulpturen

„Traces of What Will Be” (Spuren von dem, was sein wird) lautete das Motto des 7. Tuwaiq Bildhauersymposium (10. Januar bis 05. Februar 2026) in der saudischen Hauptstadt Riad. Es nahm Bezug auf die rasante Entwicklung, die das Königreich nicht erst mit der „Vision 2030“ von Kronprinz und Ministerpräsident Mohammed bin Salman genommen hat.

25 Künstler aus 18 Ländern hatte die Royal Commission for Riyadh City (RCRC, Königliche Kommission für Riad) zu dieser Ausgabe des Symposiums eingeladen. Die Bedingungen für sie waren von der Unterbringung bis zur Entlohnung üppig im Vergleich zu anderen Symposien. Ein besonderer Aspekt dabei ist, dass jedem Künstler ein Steinmetz aus Ägypten an die Seite gestellt wird, der nicht nur mitarbeitet, sondern auch als Experte hilft.

Sarah Alruwayti, Creative Design Expert und Direktorin des Symposiums.

Während das Symposium bisher in Randbezirken der Stadt (mit ihren rund 7,8 Millionen Einwohnern) abgehalten wurde, fand es diesmal im Bezirk Tahlia statt. Dort befinden sich entlang der Prince Mohammed bin Abdulaziz Street viele Luxusgeschäfte internationaler Marken.

Wohlgemerkt: Riad darf man sich nicht als eine verdichtete Stadt nach dem Vorbild alter Metropolen in Asien oder Europa vorstellen. Es ist vielmehr mit Los Angeles vergleichbar – entlang von vielspurigen Verkehrsschneisen verlieren sich die Wohnbezirke irgendwo im Ungewissen. Eine Ausnahme ist der Finanzdistrikt.

Der Name des Stadtbezirks Tahlia geht auf das arabische Wort für „Wasserentsalzung“ zurück, heißt es in den Presseunterlagen: Seit 1907 pflegt Saudi-Arabien diese Art der Versorgung mit dem kostbaren Nass – die Chroniken erzählen die Geschichte der Hafenstadt Jeddah, wo die Saudis das Verfahren lernten.

Mit Tahlia springt die Erzählung in die Mitte der Arabischen Halbinsel, dort, wo heute Riad liegt, und wo es vermutlich ehemals eine große Oase mit Brackwasser gab.

Tuwaiq Sculpture Symposium 2026.

Inzwischen wandelt Saudi-Arabien gewaltige Mengen von Meerwasser in Süßwasser um, dies vor allem in Anlagen entlang des Roten Meeres. Die Webpage der Saudi Water Authority nennt die unvorstellbare Menge von elf Millionen m³ Trinkwasser täglich, die im Land erzeugt werden!

Einige Neuigkeiten gibt es zum Symposium zu berichten:
* Es war diesmal auch offen für Künstler, die mit Metall arbeiten beziehungsweise die Metalle als Ergänzung zum Stein verwenden;
* der Zeitgeist schlug sich hier insofern nieder, als das verwendete Metall ausdrücklich aus dem Recycling stammen sollte;
* die Zahl der eingeladenen Künstler war von 30 auf 25 reduziert;
* Denkanstöße für eine Weiterentwicklung des Symposiums hat Dr. Manal Murshid Al-Harbi, Wissenschaftlerin an der Prinzess Nourah University, selber Künstlerin und ehemals Tuwaiq-Kuratorin, im „Saudi Journal of Art and Design“ (2025, Band 5, Ausgabe 2, 281-326) veröffentlicht.

Tuwaiq Sculpture Symposium 2026.Tuwaiq Sculpture Symposium 2026.

Ausgeweitet war der Programmteil, der die Bürger in das Symposium einbezieht. Dazu gehört das „apprenticeship program“ (Lehrlingsprogramm), für das sich junge Leute bewerben konnten. Schon gute Routine bei Tuwaiq ist, dass Schulklassen vorbeischauen.

Die Arbeiten aus dem Symposium werden auf die Stadt verteilt und dort ausgestellt.

Die Kuratorinnen (v.l.n.r.): Lulwah Al Homoud, Rut Blees Luxemburg, Sarah Staton.Die Kuratorinnen in diesem Jahr waren:
* Lulwah Al Homoud ist eine preisgekrönte Kuratorin, Künstlerin und Expertin für visuelle Kommunikation mit einem globalen Portfolio an kuratorischer Beratung und künstlerischen Kooperationen;
* Rut Blees Luxemburg ist eine Künstlerin, deren fotografische und öffentliche Praxis sich der Poetik und Politik der zeitgenössischen Stadt widmet;
* Sarah Staton ist bildende Künstlerin, Pädagogin und Kuratorin, deren multidisziplinäre Praxis sich mit den sozialen und räumlichen Dimensionen von Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt.

Übrigens: der Name Tuwaiq bezieht sich auf die Bergkette, die man von der Hauptstadt aus am Horizont sehen kann.

Tuwaiq Sculpture Symposium

Royal Commission for Riyadh City (RCRC)

Saudi Water Authority

Saudi Journal of Art and Design (arabisch)

Fotos: Royal Commission for Riyadh City