Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.

Eine deutliche architektonische Geste haben die Architekten dem Erweiterungsbau für die École Maternelle (Kindergarten/Vorschule) in der Stadt Montfermeil im Pariser Nordosten gegeben: Auf der Straßenseite besteht das Gebäude aus einer Steinmauer über zwei Geschosse und vermittelt so Schutz und Abgeschiedenheit. Das wird erreicht durch massive Steinblöcke mit einer Größe von 100 cm Länge, 24 cm Dicke und 50 cm Höhe.

„Die Steine sind selbsttragend und nehmen die Lasten des Zwischengeschosses und der Dachkonstruktion auf“, schreibt uns Jérôme Stablon, Mitgründer des Studios Bien Urbain. Aus statischen Gründen wurden einige der Blöcke durch Betonpfeiler und -träger verankert. „Zu diesem Zweck wurden schon im Steinbruch Aussparungen in die Steine geschnitten, bis sie vor Ort gemäß einem präzisen Verlegeplan zusammengesetzt werden.“

Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.

Geschickt haben die Architekten jedoch vermieden, dass die Steinmauer nach außen abweisend wirkt: In sie ist die Treppe für den Notausgang aus dem 1. Geschoss integriert.

Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.

Und die ornamentalen Elemente in der Mauer sind nicht bloß Dekoration: Im Erdgeschoss lassen sie Sonnenlicht in einen Mehrzweckraum dahinter fallen; oben befinden sie sich am Ende eines verglasten Korridors, von dem aus der Blick auf das Arboretum gegenüber fällt.

Die Materialien spielten für die Architekten eine große Rolle. Denn die Steinwand setzt einerseits das noble Material Naturstein in Szene und wertet so das Gebäude auf. Andererseits stellt der Stein auch eine Verbindung zum nahen Schloss Château des Cèdres aus dem 17. Jahrhundert, zur Kirche Saint-Pierre–Saint-Paul aus dem 13. Jahrhundert und zum Museum der Berufe (Musée des Métiers) her.

Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.

Schließlich ging es den Architekten um natürliche Materialien und einen möglichst niedrigen CO2-Fußabdruck: Neben der Steinwand außen dominiert Holz den Innenbereich des Bauwerks. Der Stein stammt übrigens aus dem Bruch Vassens in etwa anderthalb Stunden Entfernung.

Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.

Im Erdgeschoss befinden sich die wichtigsten Gemeinschaftsräume der Schule: ein Schlafsaal, eine als Möbelstück gestaltete Kindertoilette und ein großer Mehrzweckraum, der sich vollständig zum Innenhof hin öffnen lässt. Im Obergeschoss befinden sich drei Klassenzimmer und eine Bibliothek.

Das Dach ist mit Zink gedeckt und verfügt über vier Oberlichter, die für natürliche Belichtung und Belüftung sorgen. Die Dachüberstände sind weit, sodass das Holz dort geschützt ist. Sie erlauben auch bei Regen einen trockenen Wechsel draußen von einem ins andere Gebäude.

Teil der Aufgabe war auch die Neugestaltung des Innenhofs. Er ist nun entsiegelt, was für ein angenehmes Mikroklima sorgt und das Regenwasser im Untergrund versickern lässt. Als „Cour Oasis“ bezeichnen ihn die Architekten, übersetzt etwa „Oasen-Pausenhof“.

Bien urbain

Montfermeil

Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.Studio Bien Urbain: École Maternelle, Montfermeil.