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Gewölbe „Flux“ mit weit gespannten Bögen aus unerwartet schlanken Naturstein-Elementen

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Die New Fundamentals Research Group zeigte auf der Messe Rocalia eine Weiterentwicklung ihrer Gewölbekonstruktionen aus Kalkstein

Schon lange hat man so etwas Schönes aus Naturstein nicht mehr gesehen: auf der Natursteinmesse Rocalia im Dezember 2017 im französischen Lyon zeigte die New Fundamentals Research Group ihr Gewölbe „Flux“ mit weit gespannten Bögen aus unerwartet schlanken Natursteinelementen.

Nicht nur die Eleganz und Leichtigkeit der Konstruktion aus massivem Kalkstein überraschte: sie war innerhalb weniger Stunden errichtet worden, dies ganz ohne Stützgerüst und ohne den Einsatz schwerer Hebezeuge.

Die New Fundamentals Research Group ist eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung von Architekten, Statikern und Stein-Spezialisten aus Italien und Frankreich. Hinter „Flux“ stehen Giuseppe Fallacara und Maurizio Barberio vom Politecnico in Bari Pisa sowie die Firmen SNBR (Frankreich) und T&D Robotics (Italien).

Das Prinzip der Konstruktion ist einfach und uralt (Stereotomie): aus massiven Steinelementen werden Bögen errichtet, die sich mit ihrem Gewicht selber tragen. Im Fall von „Flux“ sind einige solche Bögen zu einem Gewölbe komponiert.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Während der Prototyp auf der Messe ohne Dach auskam, ist es möglich, einige zusätzliche Elemente als Abschluss nach oben einzusetzen.

Normalerweise aber sind solche selbsttragenden Bögen sehr aufwändig zu errichten. Denn es braucht ein Gerüst; erst wenn der Schlussstein an seinem Platz ist, hält das Gewicht der Steine das Gewölbe zusammen. Dann kann das zuvor tragende Gerüst wieder entfernt werden.

Für „Flux“ haben die Beteiligten einen anderen Weg gefunden.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Die einzelnen Elemente hängen an ein paar Stahlträgern obendrüber. Deshalb trägt jedes Element eine Art von Haken auf der Oberseite. Dessen Form und Position ist so gestaltet, dass er keineswegs stört, sondern eher das Design bereichert.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Außerdem werden die Elemente nicht einfach nur nebeneinander gesetzt, sondern auch noch miteinander verschraubt. Das geschieht mit Stahlplatten und sichtbaren Schrauben in einer Vertiefung – auch das ist klug gestaltet und gibt der Gesamtanlage optische Impulse.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Schließlich haben Fallacara und Barberio die Oberflächen im Inneren des Gewölbes mit eleganten Linien überzogen.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Neben dieser Gestaltung im Großen gibt es im Kleinen auf jedem Stein auch gestockte Strukturen.

Wir haben leider die Konstruktion nicht selbst gesehen. Was aber die Fotos zeigen und was Messebesucher berichteten, war es eine reine Freude, den Anblick von „Flux“ zu genießen.

Nur ein Tag wurde benötigt jeweils für den Aufbau und für den Abbau.

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

Um sicher zu sein, dass das Ganze nicht auseinanderbricht, waren vorher aufwändige Computersimulationen durchgerechnet worden. Ein Aspekt dabei war, den Verlauf der Zug- und Druckkräfte erstens zu verstehen und zweitens ihnen genüge zu tun. Über sie wird das Gewicht des Materials in den Boden abgeleitet.

Die Zugspannung konnte vernachlässigt werden, so eine Ergebnis der Berechnungen. Die Druckspannung belief sich auf 40 MPa, was weniger als 70% der Haltbarkeit des Materials entsprach. Das zu wissen war wichtig, damit der Druck nicht einzelne Steinelemente auseinanderplatzen ließ. Verwendet wurde der Kalkstein Chauvigny Classique, der keine außergewöhnliche Festigkeit hat.

Auch der Abbau zum Ende der Messe war vorher in Computersimulationen durchgespielt worden: keines der Einzelelemente wog mehr als 500 kg, so dass man nicht schwere Gerätschaften über das Messegelände transportieren musste.

New Fundamentals Research Group

Atelier Fallacara d’Architettura

SNBR

T&D Robotics

Fotos: GaZ Blanco

New Fundamentals Research Group: Gewölbe „Flux“.

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(14.02.2018)