Düngersäcke auf einer Ackerfläche. Quelle: Wikimedia Commons / Manfrad Morgner

Die Weiterverwendung von Steinmehl ist ein großes Thema in der Natursteinbranche. Bisher wird dieser Reststoff meist auf Deponien verbracht, und sorgt dort gelegentlich dafür, dass benachbarte Gewässer verunreinigt werden. Jedoch handelt es sich um ein natürliches Produkt, das, wenn man die Grundregeln der Natur anwendet, für irgendwelche Zwecke nutzbar sein muss.

Das französische CTMNC (Centre Technique de Matériaux Naturels de Construction) hat im Juni 2026 eine Journée Technique (Technischer Tag) zum Thema Verwendung von Granitmehl veranstaltet. Präsentiert wurden Forschungsprojekte aus den drei Granitregionen Vogesen (Raon l’Étape), Tarn und Bretagne.

Verwendung des Granitmehls als Dünger, Frankreich: Transport zum Bauernhof, Verladen für die Düngung, Verteilen auf dem Boden, Einarbeiten in den Boden. Quelle: Marie-Pierre Turpault, Inrae

Einige der Erkenntnisse sind weit fortgeschritten und vielversprechend: Der Reststoff kann im Ackerbau als wirkungsvoller Dünger für Luzerne, einer Art aus der Familie der Kleepflanzen, dienen. Auch bei der Asphaltierung der Straßen gibt es Möglichkeiten. Nicht zuletzt kann er Ausgangsmaterial für neue Baustoffe beziehungsweise Material für den 3D-Druck sein.

Eines ist dabei jedoch klar, wie Emilie Prin und Marie-Laure Moreau von der Umwelt-Beratungsfirma Encem in ihrem Vortrag ausführten: Der gute Wille für die Verwendung des Abfalls allein reicht nicht aus. Man braucht exakte Daten über die Chemie des Materials, seine Korngröße und mehr. „Steinmehl wird nicht einfach zu einer Ressource, weil wir es wollen; es wird dazu, wenn wir in der Lage sind, eine Verwendung aufzuzeigen und die Märkte dafür zu benennen“, geben wir die Leitlinie der beiden Referenten mit unseren Worten wieder.

Weit fortgeschritten sind Forschungen für die Verwendung von Granitmehl im Ackerbau. Es sind die Projekte „Climaxion1“ und „Climaxion2“, über die Marie-Pierre Turpault vom staatlichen Forschungsinstitut Inrae berichtete. Im 1. Teil des Projektes hatte die Graniterie Petitjean die Federführung.

Die Untersuchungen zeigten, dass der Schlamm wertvolle Nährstoffe wie Kalium, Magnesium, Calcium und mehr enthält. Auch besteht er aus Körnern in einer Größe, die die Pflanzen auswerten können.

Zugewinn an Biomasse in den Wurzeln der Pflanzen nach Düngung mit Granitmehl aus Raon L’Etape (links), Tarn (Mitte) und Bretagne (rechts). Ganz rechts ohne Düngung (Contrôle 3). Quelle: Marie-Pierre Turpault, Inrae

Im Gewächshaus testeten die Forscher das Potenzial des Schlamms als Dünger: Bei einer Pflanzencharge gab es eine Verdoppelung des Wachstums, bei anderen waren es +21 bis +35%.

Das Interesse der Bauern ist groß. Aktuell laufen Feldversuche, um die optimalen Dosierungen für den neuen Dünger herauszufinden. Gearbeitet wird auch an den Maschinen, um den Stoff auf die Felder auszubringen.

Anmerkung: Überbleibsel an Stahl aus den Sägegattern oder von den Seilsägen, mit denen vorher die Steinblöcke zerschnitten worden waren, sind kein Problem für den Acker. Sie liegen weit unter den Grenzwerten.

Produkte mit 3D-Druck von Granitmehl. Quelle: Florent Begey und Luc Segonne, Sidobre

Andere Möglichkeiten liegen in der Verwendung von Steinmehl für die Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre im Boden (Gesteinsverwitterung) oder, zusammen mit Kalksteinmehl, in der Verbesserung von sauren Böden.

Eine weitere Option ist die Verwendung in der Betonherstellung. Hier ist die Kernfrage: Rechnet sich das Trocknen des Granitschlamms im Vergleich zu den Preisen für übliche Füllstoffe?

Auch im Straßenbau zeichnen sich Möglichkeiten ab: Der Gesteinsschlamm sorgt mit seinem Wasseranteil für ein Aufschäumen des heißen Asphalts, was auch dazu führt, dass das Bitumen schon bei niedrigeren Temperaturen als üblich die Körner in der Straßendecke umhüllt. Das funktioniert aber bisher nur im Labor perfekt; für den Praxiseinsatz werden Anpassungen des Granitmehls benötigt.

Aus Sicht der Betonhersteller bekundete François Jacquemot vom Cerib-Institut das Interesse seiner Branche. Er berichtete von positiven Versuchen mit Mörtel, betonte aber auch die Qualitätskontrolle der Ausgangsstoffe. Wie auch andere Referenten ging er auf die Möglichkeit der lokalen Wertschöpfung durch Verwendung von Granitmehl aus der Umgebung eines Betonwerks ein.

Produkte mit 3D-Druck von Granitmehl. Quelle: Florent Begey und Luc Segonne, Sidobre

Florent Begey und Luc Segonne vom Verband Sidobre berichteten vom Projekt „Granular“, in dem es um den Einsatz von Granitmehl unter anderem in der keramischen Industrie geht. Im Teilprojekt „Graniprint“ laufen Versuche, das Steinmehl für den 3D-Druck zu verwenden. Wir zeigen Fotos von Alltagsprodukten, die damit hergestellt wurden.

Minealithe ist eine Firma, die schon ein Patent auf die Herstellung neuer Stoffe unter anderem aus Steinabfall hat. „Lithosynthesis©“ nennt sich ihr Verfahren, das die Prozesse aus der Natur nachahmt, aber schneller und bei niedrigeren Temperaturen ablaufen lässt.

CTMNC Journée Technique (französisch)

Minealithe

Unser Video zeigt eine Kuriosität am Rande: In Rajasthan in Nordindien ist eine gewaltige Deponie für Natursteinmehl zu einer Attraktion geworden. Bewundert wird von den Besuchern der weiße Schnee-Effekt der großen Mengen an Abfallstoff: