Auch Italiens Natursteinbranche hat die Corona-Pandemie gut gemeistert

Die Zielländer von Italiens neuer Kampagne „Marble Carving the Future“. Screenshot von der Webpage der Confindustria Maromacchine.Die Firmen dort und weltweit wussten sich spontan darauf einzustellen, dass Naturstein beim Bürger als krisenfeste Wertanlage gilt

Die Steinbranche weltweit hat Corona mehr als nur gut überstanden. Das belegen auch die Zahlen des italienischen Natursteinverbands Confindustria Marmomacchine: danach haben Italiens Exportfirmen die negative Bilanz des Coronajahres 2020 (-17,3% in Vergleich zu 2019) mit einem kräftigen Anstieg kompensiert: 2021 wurden +20,08% gegenüber dem Vorjahr erreicht. Das waren in der Summe 1,8504 Milliarden €.

Allerdings hat man damit nur wieder den Stand der Dinge vor der Pandemie erreicht: gegenüber 2019, dem letzten Jahr vor Corona, gab es lediglich +1,9%, also ein moderates Wachstum.

Jedoch muss man diese Zahl mit den Ergebnissen anderer Branchen vergleichen. Zum Beispiel für die Tourismus- oder die Unterhaltungsindustrie war die Pandemie schlichtweg eine Katastrophe, und die Schwierigkeiten dieser Branchen halten aktuell an, weil die Firmen die Fachkräfte verloren haben.

Das Management der Natursteinfirmen weltweit hingegen hat die Pandemie gut gemeistert. Im Kern stand dabei der schnelle Schwenk auf heimische Materialien, als sich herausstellte, dass private Bürger mit Investitionen in ihre Häuser und Wohnungen eine unerwartete Nachfrage nach Naturstein auslösten.

Diese Hinwendung auf heimische Materialien war notwendig, weil die Lieferketten aus Asien unterbrochen waren.

Damit hat die Pandemie auch bewiesen: der Naturwerkstein kann sich das Etikett als „Krisenfeste Wertanlage“ anheften. Die während der Pandemie gestiegene private Nachfrage hat gezeigt, dass die Verbraucher ihn tatsächlich als finanztechnisch verlässlich ansehen, vergleichbar nur noch mit Edelmetallen.

Allerdings, und damit kommen wir zu Italien zurück: innerhalb dieses weltweit positiven Gesamtbilds kommt Italien im Vergleich zu den anderen großen Playern keineswegs als der Strahlende Sieger aus der Pandemie heraus. Das war das Image gewesen, das sich die Generation nach dem 2. Weltkrieg erarbeitet hatte.

Derzeit steht – zumindest quantitativ – die Rolle der Strahlenden Sieger eher der Türkei und auch Brasilien zu: sie konnten die Krise nutzen, um ihre Anteile am Weltmarkt der Natursteine sogar deutlich auszuweiten.

China war wieder ein Sonderfall, weil es sehr stark unter den Transportproblemen litt.

Wir haben unsere Berichte zu den Exportstatistiken dieser Länder für 2021 unten verlinkt.

Positiv an Italiens Zahlen ist, dass es seine Rolle auf dem Markt für Endprodukte deutlich stärken konnte. In den USA erreichte es in diesem Marktsegment 2021 einen Anstieg um +30,6% (in der Summe 407,8 Millionen €). Im Jahr 2020 hatte es -14,4% gegeben.

Weiter heißt es in der Statistik von Confindustria Mamomacchine: „Der Absatz italienischer Platten und Fertigprodukte war auch in Europa sehr gut, vor allem in Deutschland (+15,3%, zweitwichtigstes Zielland mit 153,5 Millionen €), der Schweiz (+10,4%, drittgrößter Abnehmer mit 95,5 Millionen €), Frankreich (+6%, viertgrößter Abnehmer mit 78,4 Millionen €), dem Vereinigten Königreich (+34,5%, fünftgrößter Abnehmer mit 63 Millionen €) und Österreich (+23,5%, siebtgrößter Abnehmer mit 43,7 Millionen €).“

„In der Region des Persischen Golfs, traditionell ein Referenzmarkt für italienisches Steinmaterial, war ein Rückgang der Verkäufe nach Saudi-Arabien (-10,2%, Platz 6 mit 51,6 Millionen €) und nach Katar (-6,5%, Platz 9 mit 36,5 Millionen €) zu verzeichnen – das sind zwei der wenigen Länder, die im Jahr 2020 ein Wachstum verzeichnet hatten. Das wurde jedoch durch einen starken Anstieg der Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate (+39,7%, Platz 8 mit 41,1 Millionen €) ausgeglichen. Den Abschluss der Top-Ten-Märkte bildet Australien, dessen Käufe von Steinfertigwaren Made in Italy um mehr als 50% gestiegen sind und einen Wert von 32,1 Millionen € erreicht haben.“

Negativ an den Zahlen aber ist der hohe Anteil von Rohblöcken am Export.

Das gilt vor allem für die Lieferungen nach China. Wie alle anderen Exportnationen konnte auch Italien sich hier nicht mit Endprodukten etablieren.

Im Vergleich mit anderen Branchen aber ist hier aber festzustellen, dass deren Keramikindustrie in China Platz fassen konnte.

Nun aber scheint Italiens Natursteinbranche dort einen Neustart zu versuchen: In Kooperation mit der nationalen Exportorganisation wird es eine Kampagne geben, bei der Produkte des Landes im Ausland beworben werden. Eines der Zielländer ist China. „Marble Carving the Future“ ist der Titel der Kampagne.

Confindustria Marmomacchine

Kampagne „Marble Carving the Future

Exportstatistiken 2021:

China

Türkei

Brasilien

(25.09.2022)